Fremdregulation von Kindern – Warum es Vertrauen zerstört und Selbständigkeit verhindert

Felsenklettern auf Mallorca

„Würde ich meine Kinder selbstbestimmt ins Bett gehen lassen, dann wären sie auch noch weit nach 22 Uhr wach und am nächsten morgen müde für die Schule!“,

„Wenn ich meinen Kindern freien Zugang auf Süßes gebe, dann essen sie nur noch das Zeug und werden krank, süchtig oder adipös!“,

„Dürfen eure Kinder dann auch Zigaretten rauchen oder Alkohol trinken?“,

„Wenn meine Kinder könnten, würden sie den ganzen Tag fernsehen…“,

„Aber ich kann meine Kinder bei den Temperaturen doch nicht ohne Jacke aus dem Haus lassen!?“

Ich könnte ewig so weitermachen. Wenn es um Selbstregulation und Selbstbestimmung von (kleinen) Kindern geht, reagieren viele Menschen mit vollkommener Verständnislosigkeit. Die Gründe sind vielfältig. Es geht oft um Machterhalt, manchmal fehlt es an Wissen – über uns Menschen, unseren Fähigkeiten, Bedürfnissen und Entwicklungsschritten – und nicht selten ist es einfach die durchaus auch legitime Angst, sein Kind könnte Schaden nehmen, weil man (nach reiflicher, aber nicht selten einseitiger Studie der Materie) nur noch die Gefahren – die durchaus existieren mögen – sieht.

Gegen Unwissen und Angst helfen in der Regel Information, Aufklärung, Selbstreflexion, Erfahren und Erleben. Warum Angst kein guter Ratgeber ist und wie man sich damit auseinandersetzen kann, habe ich in meinem Artikel Angst ist keine Rechtfertigung für Erziehung geschrieben. Warum Fremdbestimmung sowie Fremdregulation so sehr schaden und Autonomie so wichtig ist, verrate ich nun hier:

Fremdbestimmung ist Zwang, ausgeübt  in einem Abhängigkeitsverhältnis und somit durch Machtmissbrauch.

Unsere Kinder sind in jeglicher Hinsicht – über einen langen Zeitraum hinweg – von uns Eltern abhängig. Sie brauchen uns um zu existieren, sind ausgeliefert und vor allem vertrauen und lieben sie uns. Zugleich sind sie aber auch Menschen und somit Subjekte wie du und ich. Das Wesen eines Subjektes erfüllt sich in der Selbstbestimmung, das heißt im Erkennen des Selbst und im Bestimmen über sich: „Ich bin ein eigenständiger Mensch und entscheide über mich!“

Wir haben hier also zwei wesentliche Bedürfnisse: Kinder wollen sich zugehörig füllen und zugleich autonom über sich bestimmen. 

Fremdbestimmung lässt beide Bedürfnisse mit schwerwiegenden Folgen für die Entwicklung des Kindes unerfüllt zurück. Zum einem weil Fremdbestimmung eine hierarchische, auf Abhängigkeit und Zwang basierende Beziehung voraussetzt, zum anderem weil es die Autonomiebestrebungen des Kindes ganz gezielt und bewusst konterkariert.

Fremdbestimmung lässt keine Beziehung auf Augenhöhe zu, da sie Abstand zwischen der bestimmenden Person und dem Objekt dessen Steuerung schafft. Das Kind wird also zum Objekt der Handlung degradiert und hat der auferlegten Regel zu folgen. Gleichwürdigkeit aber ist Voraussetzung für ein real gefühltes Gefühl der Zugehörigkeit. Ohne Augenhöhe, kein Wir-Gefühl.

Autonomie ist ein Grundbedürfnis aller Menschen!

Die Selbständigkeit ihrer Kinder ist für viele Eltern ein wichtiges Erziehungsziel. Allerdings verstehen viele an dieser Stelle nicht, dass Autonomie (= Selbstbestimmung) und Selbständigkeit nicht voneinander zu trennen sind. Ein autonomer Mensch ist unabhängig, selbständig und innerlich frei. Dieser ist sich seiner Werte und Fähigkeiten bewusst und kann dadurch selbstwirksam und selbstbestimmt zu sich und seiner eigenen Meinung stehen. Vor allem aber ist ein solcher Mensch nicht auf die Bewertung und Anerkennung anderer angewiesen. Er hat seinen inneren Kompass und kann sich darauf verlassen.

Ein Mensch, der durch andere reguliert wird, bleibt hingegen abhängig. Fremdbestimmung und Abhängigkeit verhalten sich nämlich zueinander verstärkend. Umso mehr ich also ein Kind reguliere, desto mehr wird dieses Kind langfristig von einer solchen Maßnahme abhängig sein und bleiben. Fällt die Regulation durch die Bezugspersonen weg und hat das Kind seinen inneren Kompass nicht durch Erfahren und Erleben weiter herausbilden können, ist es nun ungeschützt und unerfahren seiner Umwelt ausgeliefert. Es wird als Erwachsener sich andere Regulatoren suchen, fremdbestimmt bleiben oder aber den schmerzhaften Weg des Erkennens und Aufarbeitens gehen müssen.

Fremdbestimmung ist Zwang und verursacht durch den ausgeübten Druck Leid!

Fremdbestimmte Kinder fühlen sich bevormundet und somit nicht ernst genommen und gesehen. Viele Eltern regulieren ihre Kinder außerdem, indem sie Angst schüren „wenn du Zucker isst, essen die Kariesmonster deine Zähne auf“, ihnen drohen „wenn du nicht sofort dein Computer ausmachst, dann kannst du was erleben!“, sie erpressen „wenn du eine Gutenachtgeschichte hören willst, dann musst du jetzt schlafen!“ oder manipulieren „Prinzessinnen gehen nicht ohne zu baden ins Bett.“. All das ist Gewalt. Dazu habe ich nicht nur in meinem Video Gewaltfrei geht nur ohne Erziehung! bereits einiges erzählt, sondern auch in einer ganzen Artikelserie. In meinem Artikel 14 Alternativen zu Strafen als Erziehungsmethode findest du alle Links dazu.

Einige Eltern sind oft davon überzeugt ihre Kinder durch Regulation vor größeren Schaden zu schützen und behaupten – auch in der Argumentation den Kindern gegenüber – nur das Beste für sie zu wollen. Dadurch übergeben sie, meist unbewusst, ihren Kindern auch noch die Last der emotionalen Verantwortung. Die Kinder fühlen sich mit ihren Wünschen und Bedürfnissen falsch und schämen sich sogar dafür. Ihr Vertrauen in sich sowie in die Richtigkeit ihrer Bedürfnisse wird stark und nachhaltig erschüttert. Das Resultat sind Erwachsene, die sich nicht richtig spüren, nicht wissen was sie können und vom Leben wollen sowie die eigenen Bedürfnisse nicht erkennen können.

Die wichtigste Bedingung für Autonomie ist Vertrauen!

Unsere Kinder brauchen unser Vertrauen, um sich selbst vertrauen zu können. Erst Selbstvertrauen ermöglicht ihnen unabhängig und selbständig zu werden. Und das wollen doch eigentlich alle Eltern für ihre Kinder. Nur leider versuchen es viele durch Erziehung und indem sie ihren Kindern bestimmte Grundbedürfnisse verwehren sowie sie zugleich an anderer Stelle ihrer Selbstbestimmung berauben. Um selbständig und autonom zu werden, müssen Kinder sich von ihren Eltern – auch in Hinblick auf konträre Entscheidungen – lösen dürfen und eigene Erfahrungen machen. Und zwar selbstbestimmt, begleitet und in ihrem eigenen Tempo!

Co-Regulation bedeutet nicht „eben doch ein wenig zu regulieren“, sondern „Regulationshilfe durch Zusammenarbeit“!

Ein Baby, welches seine Bedürfnisse von Anfang an erfüllt sieht, gewinnt Selbstvertrauen in seinen eigenen Kompetenzen. Es weint und meldet der Bezugsperson ein Bedürfnis. Diese Person erfüllt dieses Bedürfnis nach Nähe, Nahrung, etc. oder es hilft dem Kind sich zu beruhigen, indem es das Kind trägt, kuschelt, stillt oder ein Lied singt. Das Kind erfährt also, dass seine einzige Möglichkeit ein Bedürfnis anzumelden, gehört wird und kann bereits hier Selbstwirksamkeit erfahren. Das Baby meldet sich, wenn es hunger hat, abgehalten werden muss, Angst hat, Nähe braucht, friert oder zum Beispiel Unterhaltung sucht.

Anders verhält es sich bei einem Kind, welches nach der Uhr genährt wird, sich in den Schlaf weinen muss oder in der Autonomiephase künstliche Einschränkungen erfährt und in seinem Frust alleine gelassen wird. Dieses Kind lernt, dass seine Wünsche und Bedürfnisse nicht richtig sind und somit es selbst. Es findet keine Co-Regulation und somit keine Zusammenarbeit statt. Die Signale des Kindes werden nicht erhört und seine Selbstwirksamkeit untergraben. Die Bedürfnisse des Kindes werden durch die Bezugsperson reguliert. Ein regelrechtes Entwicklungstraumata nimmt seinen Lauf.

Erst die Fremdregulation, der Eingriff von außen, führt also zu einem Ungleichgewicht im zuvor gesunden System. Dies wiederum macht das System abhängig. Diese Abhängigkeit führt oft zu noch mehr Fremdbestimmung und Fremdregulation. Ein Teufelskreis entsteht.

Fremdbestimmung ist Zwang, verursacht Leid und zerstört das Vertrauen!

Ein Kind, welches täglich um 19 Uhr ins Bett muss, wird bei plötzlicher Freiheit alles in seiner Macht stehende tun, um diesen einen Moment der Autonomie auskosten zu können. Ein Kind, welches nach langer Fremdregulierung plötzlich sein Selbstbestimmungsrecht erlangt und frei darüber entscheiden darf, was es isst, wird erst einmal misstrauisch sein, ob diese Freiheit nicht doch noch Einschränkungen erfährt und muss sich sowie die Reaktionen seines Körpers erst einmal kennen lernen. Vermutlich wird es bis dahin nicht nur einmal über die eigenen Grenzen gehen, da es diese überhaupt erst spüren muss. Diese Kinder brauchen dann umso mehr Begleitung sowie kreative und flexible Erwachsene, die ihnen helfen wieder in ihr eigenes Gleichgewicht zu kommen und Selbstvertrauen aufzubauen.

Was aber ist mit Kindern, die sich – warum auch immer – tatsächlich nicht regulieren können?

Als Mutter zwei extrem frühgeborener Kinder kenne ich diese Situation sehr gut, schließlich lagen meine unreifen Babys mehrere Wochen im Inkubator, wurden nach der Uhr per Magensonde ernährt sowie Tag und Nacht in drei bis vier Stunden Rhythmus medizinisch manipuliert.

Das Resultat war eine ausgeprägte Schlafstörung und ständige Überfütterung mit anschließendem Brechen bei dem einem Kind sowie eine monatelange gestörte Kommunikation mit dem anderem Kind, die sich täglich und über Monate in exzessives Schreien über Stunden äußerte. Von den Ärzten und den meisten Mitmenschen kamen nur die üblichen Erziehungsfloskeln, Mitleid, Diagnosen und menschenunwürdige Vorschläge. Und natürlich sollten wir die Kinder noch mehr regulieren, schließlich brauchen sie Grenzen oder netter ausgedrückt: Routinen und Rituale. Hier gemeint als Pseudonyme für Erziehung, denn gemeint waren in der Regel feste Zeiten und feste Mengen für so ziemlich alles.

Erst durch die Auseinandersetzung mit Traumata und dessen Folgen, den natürlichen Bedürfnissen von Babys sowie der Entwicklung von Kleinkindern und nicht zuletzt durch die Auseinandersetzung mit mir selbst und den daraus resultierenden Neuzugang zu meiner Intuition sowie das auf dieser Weise neu gewonnene Selbstvertrauen, konnte ich mir und somit meinen Kindern helfen.

Der Weg ist noch lange nicht zu Ende gegangen, aber dieser führte und führt – für uns, da wir nicht weiter auf medizinische Unterstützung angewiesen waren – nicht über (noch mehr) Fremdregulation, sondern über Co-Regulation, Achtsamkeit, viel Liebe, Empathie und Geduld, vor allem aber über Vertrauensaufbau. In mich, in sie und in einander! Heute habe ich Kinder mit einem gesunden Sättigungsgefühl, die gerne schlafen und mit mir über ihre Sorgen, Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle sprechen. Ihnen ist meine Meinung wichtig, denn sie vertrauen mir. Und ich gehe sehr behutsam und verantwortlich mit dieser Macht um.

Selbstbestimmte und selbstregulierte Kinder sind durchaus eine Herausforderung für die Eltern.

Nicht nur bei Traumata, wie im Falle meiner Familie, bringt die Selbstbestimmung von Kindern einen selbst manchmal an die eigene Substanz. Vielmehr erfordert es oft, dass wir uns unseren Glaubenssätzen bewusst werden und diese wieder auflösen. Schlimmer noch, es verlangt von uns nicht selten ab, unsere Werte zu überdenken, diese lediglich vorzuleben und die gegenteilige Entscheidung unserer Kinder zu respektieren und auszuhalten. Selbstbestimmung unterliegt nämlich einzig und allein den Maßstäben des Selbst und erfüllt keine gesellschaftliche Normen oder anerzogene Vorstellungen.

Fremdbestimmung hingegen lässt keine persönliche Entwicklung zu und hält den Menschen in Abhängigkeit, es sei denn, dieser wendet sich gänzlich von dem ihm limitierenden Faktor ab. Das kann ein kleines Kind zunächst nicht, also wendet es sich von sich selbst ab, was schwerwiegende Folgen für sein gesamtes Leben hat.

Wenn du also denkst, dass du dein Kind regulieren musst, um es zu schützen, solltest du dir wenigstens auch bewusst sein, welchen Schaden eben diese Fremdregulation verursacht. Vor allem aber, solltest du wissen, dass genau dein Eingreifen dein eigentliches Ziel förmlich torpediert und dass es gelebte Alternativen dazu gibt.

Unsere Kinder wachsen in einer Welt auf, in der digitale Medien und Süßigkeiten nun einmal überall verfügbar sind. Wir können sie nicht ewig davor verstecken. Im Sinne einer gewaltfreien Begleitung, der Co-Regulation und des Schutzes macht es also wenig Sinn, es ihnen zu verbieten oder ihre Möglichkeiten zur eigenen Erfahrung pauschal einzuschränken.

Vielmehr ist es unsere Aufgabe sie zu begleiten, zu unterstützen, aufzuklären und ihnen den nötigen geschützten Raum zu bieten, sich selbst zu erkennen und eigene Entscheidungen zu treffen. Das ist nicht nur die Basis für die Herausbildung ihres Vertrauens in sich selbst, sondern auch zu uns als Eltern. Daneben stärkt es unsere Beziehung zueinander und dass das der beste Schutz – unter anderem auch gegen Sucht – ist, habe ich ja bereits hier erzählt.

Saluditos & Axé

Eure

Aida S. de Rodriguez

 

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Artikelfoto von cicisbeo, erworben auf Fotolia.

About The Author

Aida S. de Rodriguez

Aida ist Mutter eines Zwillingspärchens und eines ein Jahr jüngeren Sohnes. Ihre Kinder wachsen interkulturell, mehrsprachig sowie bedürfnisorientiert auf. Als Coach, Beraterin und Trainerin begleitet sie Menschen rund um die Themen Unerzogen, Selbstwirksamkeit, Transformationsprozesse und Diversity. Ihre Vision ist ein gleichwürdiges Miteinander aller Menschen. Dafür setzt sie sich für die Rechte von Kindern auf gewaltfreien Umgang sowie auf ein selbstbestimmtes Leben und Lernen ein.

24 Comments

  • Lewildefox

    Reply Reply 19. Juli 2016

    Ein sehr guter Artikel, allerdings muss ich Süßigkeiten Einspruch erheben 😉 die werbeindustrie versucht vor allem Kinder zum übermäßigen Konsum zu verführen. Oftmals können sich nichtmal Erwachsene trotz besseren Wissens um dir Konsequenzen dem nicht entziehen. Wie sollten es dann wehrlose Kinder können? Durch diese kranke Konsumwelt kann man seine eigenen Bedürfnisse doch gar nicht mehr richtig einschätzen.
    Deshalb dürfen meine Kinder nicht so viel und so oft Süßes, wie sie möchten. Da gibt es auch keine Diskussionen, nein ist da bei mir nein. Natürlich dürfen sie hin und wieder Süßigkeiten oder Eis oder Chips essen. Aber oftmals ist es nach dem Abholen nachmittags aus der Kita und ich weiß, dass es dann eher das Verlangen nach Kohlenhydraten ist und nicht explizit der Appetit auf Schoki & Co. deshalb gibt’s das dann auch nicht.

    • Aida S. de Rodriguez

      Reply Reply 27. Juli 2016

      Hallo, danke für dein Feedback! 🙂

      Ich glaube, die entscheidende Frage ist, warum sich viele Erwachsene dem scheinbar nicht entziehen können (womöglich wollen es viele auch nicht) und das liegt in meinen Augen ein Stück weit daran, dass wir zum einem nicht gelernt haben unsere Bedürfnisse wahrzunehmen und auch keine anderen Strategien kennen diese zu befriedigen. Und das fängt eben mit Fremdbestimmung und andere traumatische Einschnitte an.

      Desweiteren unterschätzt diese Annahme die Mündigkeit der Konsumenten und gibt der Werbung eine Macht, die sie – so meine Erfahrung aus den letzten 10 Jahren in dem Bereich – einfach gar nicht hat.

      Ich bin also der Meinung, dass die Kausalität eine gänzlich andere ist: Weil wir – aufgrund von Entfremdung – nicht in der Lage sind unsere Bedürfnisse zu erkennen und uns entsprechende Strategien fehlen, nimmt Konsum einen ungesunden Raum ein und wir geben der Werbung eine Macht, die ihr nicht zusteht.

      Alles Gute
      Aida

  • Lewildefox

    Reply Reply 19. Juli 2016

    Ohje, mit Ruhm habe ich mich beim Satzbau nicht bekleckert und die Autokorrektur hat ihr Übriges getan 🙈
    Was ich meine ist, dass ICH es beim Thema Süßigkeiten anders (also nicht selbstbestimmt) handhabe. Weil ich der Meinung bin, dass kleine Kinder die Folgen eines übermäßigen Süßigkeitenkonsums nicht einschätzen können. Ich rede da nicht von einem Mini-Karies-Löchlein, bei dem der Zahnarzt mal bohren muss und es wehtut. Sondern von den Langzeit-Folgen für Leber & Co. durch diesen giftigen industriellen Fructosesirup. Da liegt m.E. die Verantwortung einfach bei mir und nicht bei meinen Kindern, zumal in der Familie meines Mannes mehrfach Diabetes auftritt.

    • Aida S. de Rodriguez

      Reply Reply 27. Juli 2016

      Hier sprichst du einen anderen Aspekt an. Und das würde ich gerne differenziert betrachten wollen:

      1. eine familiäre Vorbelastung und 2. Erziehung aus Angst vor gesundheitlichen Schäden.

      Unerzogen ist keine Methode, kein Erziehungsstill, kein Konzept. Es ist eine Haltung, die besagt auf Erziehung verzichten zu wollen. Das heißt, auf eine bewusste Formung eines anderen Menschen, die per se Gewalt darstellt und sich zur Umsetzung dessen gewaltvoller Methoden und Maßnahmen bedient.

      Diese Haltung wird von bedingungsloser Liebe und Achtsamkeit getragen. Dies wiederum impliziert die individuelle Betrachtung einer Situation und die offene, neugierige und zugewandte Begegnung eines Menschen, hier die Begegnung mit und zum Kind.

      Konkret: wenn mein Kind krank ist oder es in meiner Familie zu einem bestimmten Thema eine gewisse Vorbelastung gibt, dann bin ich hier achtsam und gehe auf diese besondere Situation ganz individuell ein. In Beziehung, nicht durch Erziehung. Und im Extremfall durch schützende Macht. Diese ist aber dennoch Gewalt und da ich das weiß und die möglichen Auswirkungen dessen kenne, gehe ich sehr sparsam mit solch einen Mittel um und setze dies nur im äußersten Notfall ein.

      Das Problem ist, dass dieses Argument gerne zur Rechtfertigung von Erziehung verwendet wird und dadurch zur Legitimation von Gewalt. Es liegt in unsere Verantwortung uns hier zu reflektieren und genau zu hinterfragen, an welcher Stelle wir stehen. Darüberhinaus beide Risiken auf die Waagschalen zu werfen und eine Entscheidung zu treffen mit der wir leben können, wohl wissend, dass wir in der Verantwortung für die Konsequenzen unserer Entscheidungen für das Leben unserer Kinder und unserer Beziehung zu ihnen sind.

  • Cornelia

    Reply Reply 19. Juli 2016

    Ich würde mich freuen, wenn ich ihren Newsletter bekommen würde.
    Ihren Beitrag über Fremdregulation hat mich gerade zu tiefst berührt.
    Freundliche Grüsse
    Cornelia Steiner

    • Aida S. de Rodriguez

      Reply Reply 27. Juli 2016

      Liebe Cornelia,

      vielen Dank für diese Rückmeldung! Das freut mich sehr!

      Alles Liebe

      Aida

  • Sandra

    Reply Reply 20. Juli 2016

    Immer und immer wieder sprichst du mir aus der Seele. Ich liebe deine Artikel und deine Art zu schreiben! Bedanke mich hiermit vin ganzen Herzen! Saluditos auch von mir und meiner kleinen Familie

    • Aida S. de Rodriguez

      Reply Reply 27. Juli 2016

      Vielen Dank, liebe Sandra! Das berührt mich! Abrazo, Aida

  • Tante Vanja

    Reply Reply 22. Juli 2016

    Wie kann etwas dass Geborgenheit,Sicherheit und einen geborgenen Rahmen gibt das Vertrauen zwischen Eltern und Kind zerstören? Kinder brauchen Grenzen um sich entwickeln zu können, um sich auch mal aneinander oder gegen die Eltern reiben zu können und um in eben diesen gesteckten Grenzen Erfahrungen zu sammeln. Es liegt natürlich an den Eltern wie weit die Grenzen gehen und deren Auslotung zugelassen wird. Kinder können und sollen sich Selbstverwirklichen und Regulieren. Trotzdem Bedarf es erwachsenen Menschen um den Kindern Hilfestellung dafür zu geben.

    • Aida S. de Rodriguez

      Reply Reply 27. Juli 2016

      Liebe Tanja,

      mir fällt es schwer deiner Argumentation zu folgen, da ich den Eindruck habe, dass Grenzen und Fremdbestimmung sowie Regulation hier in einem Topf gesetzt wird. Bitte korrigiere mich, wenn mein Eindruck täuscht.

      Willkürliche Grenzen sind ganz klar eine Form ein Kind in seiner Selbstbestimmung einzuschränken. Ja. Dennoch sind Grenzen da. Dazu habe ich hier einiges geschrieben: http://elternmorphose.de/kinder-brauchen-grenzen-was-kinder-wirklich-brauchen/

      Geborgenheit und Sicherheit sind nicht das Ergebnis von Willkür. Sie sind das Resultat einer starken Bindung und einer auf Vertrauen, Respekt und Gleichwürdigkeit basierenden Beziehung. Ein Mensch, der künstliche Grenzen benötigt, um Orientierung zu empfinden, der ist nicht selbstwirksam und kann sein Potential nicht entfalten. Er ist fremdbestimmt und somit beschränkt in seinen Möglichkeiten.

      Ja, Kinder sind abhängig und benötigen umso mehr unsere Unterstützung sowie Respekt und damit die Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse sowie die Rücksichtnahme darauf. Mehr dazu findest du hier: http://elternmorphose.de/was-respekt-mit-dem-alter-zu-tun-hat/

      Alles Gute
      Aida

  • Karolin Wagner

    Reply Reply 10. August 2016

    Hallo liebe Aida,

    dein Artikel gefällt mir gut. Besonders auch die Darstellung der zwei Bedürfnisse Autonomiebedürfnis und Zugehörigkeitsbedürfnis!
    Wenn wir unsere Kinder versuchen fremd zu regulieren, versteckt sich dahinter meistens nur unsere „Angst“. Dessen sollen wir uns bewusst werden, auch dass wir oft unbewusst Macht ausüben!
    Doch selbst wenn wir soweit sind, dass wir in einen eigenen Selbstreflexionsprozess stecken, leben und erleben unsere Kinder nicht nur uns als Eltern. Vielmehr sind sie von vielen anderen Menschen begleitet, die in unterschiedlichem Maße/ Ausmaß fremdregulieren bzw. ihre Mach tausüben. Davor können wir sie nicht schützen!

    Was versteht du bei fremdregulierten Kindern, die nun wieder ihr Gleichgewicht finden dürfen als Begleitung bzw. Kreativität der Eltern an ohne Macht auszuüben? Kannst du konkrete Beispiele nennen?

    Herzlich Karolin Wagner

  • Birgit Assel

    Reply Reply 14. Oktober 2016

    Liebe Aida,
    vielen Dank für diesen wunderbaren Blog! Seit 3 1/2 Jahren bin ich Omi von Zwillingsjungs und durch meine Enkelzwerge erlebe ich die Welt noch einmal mit Kinderaugen…

    Meine Tochter und ich lesen uns hier durch Ihren Blog und sind ganz begeistert! Wir fühlen uns beide in so vielem bestätigt und das macht Mut!

    Durch die Schwangerschaft meiner Tochter, ihr Mutter-Sein und mein Omi-Sein bin ich noch einmal sehr intensiv mit meinem eigenen Mutter-Sein in Kontakt gekommen und meine Tochter mit ihrem Kind-Sein.
    Für uns beide ist das teilweise schmerzhaft, doch auch sehr heilsam!

    Auf der Tagung im Oktober in München mit dem Motto: „Trauma, Liebe und Ich“ geben wir gemeinsam einen Workshop mit dem Thema „Mutterschaft – ein gesellschaftliches Konstrukt?“.
    Ein Kollege machte mich auf den „Online-Mütterkongress“ aufmerksam und so bin ich auf Ihren Blog gestoßen!

    Und es wird mir eine große Freude sein, auf der Tagung den Müttern und auch Großmüttern, die an unserem Workshop teilnehmen, Ihren Blog zu empfehlen!

    Noch einmal vielen, vielen Dank für Ihre großartige Arbeit!
    Birgit Assel

  • Charlene

    Reply Reply 17. November 2016

    Sehr schöner Artikel.
    Wir leben auch selbstbestimmt. Aber nicht bei der Wahl des Fernsehprogramms (er will immer KiKa schauen, aber da läuft ja nicht immer nur schönes). DVD’s kann er wann immer er will schauen. KiKa am Abend.
    Selbstbestimmtes Schlafen fällt mir seeeehr schwer. Schon immer bin ich wieder mit ihm aufgestanden, wenn er nicht schlief, aber mich erst gar nicht mit ihm hinzulegen pack ich nicht. Ab 21 Uhr werd ich dann echt ungeduldig und verspüre fast Not jetzt komplett Ruhe zu haben (alleinerziehend, 23Std Berufstätig, 2 Hunde).
    Welche Idee hast du?

  • Rebekka

    Reply Reply 2. März 2017

    Hallo! Ganz herzlichen Dank für den Artikel! Ich bin eben darauf gestoßen weil wir uns derzeit genau mit dem Thema Süßigkeiten und unserem 2 jährigen Sohn auseinander setzen. Ich möchte es auch am liebsten selbstregulierend lösen. Das führt jedoch derzeit dazu dass er seine Karnevalssüßigkeiten seit 3 Tagen einfach in sich hinein stopft. Ich merke wie der Zucker ihn danach sehr aufputscht und unzufrieden macht. Er selbst merkt allerdings nicht dass es daher kommt und isst das Süße weiterhin. Vielleicht weil er doch zu klein ist? Die Dose ist jetzt erstmal leer und wird vor Ostern auch nicht mehr gefüllt dennoch weiß ich nicht genau wie ich mit dem Thema umgehen soll. Ich möchte nicht dass er Süßigkeiten als was tolles zur Belohnung ansieht. Aber ich möchte natürlich auch nicht dass es weiter geht wie bisher. Hast du da vielleicht einen Tipp?

    Liebe Grüße
    Rebekka

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