„Geh sofort auf dein Zimmer!“ – Warum lieber DU gehen solltest

In jail of destiny. Poor sad hopeless girl sitting on the staircases and holding handrail while feeling depressed

In unsere Gesellschaft hält sich hartnäckig die Idee, man müsse für seine Sünden bezahlen. Übersetzt heißt das nichts anderes, als, dass man für seine Fehler bestraft werden muss. Ein komplexes Thema, welches von vielen Seiten beleuchtet werden kann. Ich persönlich, glaube weniger, an den Gedanken des „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ und auch nicht daran, dass Menschen aufgrund von Strafen zur Besinnung kommen. Ich glaube, an die Notwendigkeit des Schutzes, aber das soll an dieser Stelle nicht primär das Thema sein. Oder vielleicht gerade doch?

In der Erziehung von Kindern reden wir nur noch selten über Strafen. Kinder zu bestrafen, das verbinden viele mit körperlicher Züchtigung. Und das ist hierzulande, wie in vielen anderen Ländern dieser Welt, mittlerweile gesetzlich verboten. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass auch Kinder Menschen sind und sie doch eigentlich bereits durch das Grundgesetz längst geschützt hätten sein müssen. Darüber habe ich mich bereits hier im per Videobotschaft empört: Gewaltfrei geht nur ohne Erziehung. Über Strafen zu sprechen, ist also nicht mehr zeitgemäß. Heute wird daher viel mehr über Konsequenzen gesprochen. Das dies eigentlich dasselbe meint, wie eine Strafe, kannst du hier nachlesen: Wenn du in die Pfütze springst, gehen wir nicht mehr auf den Spielplatz.

Eine Form der vermeintlichen Konsequenz, die sich etabliert hat, ist die sogenannte Auszeit. Dazu werden Kinder aufs oder ins Schlafzimmer geschickt, auf einen Stuhl oder einer Bank gesetzt oder sonst wohin, meist alleine, hingeschickt. Die primäre Idee dahinter ist, dass das Kind über seine Tat nachdenkt. Es soll zur Besinnung kommen. Das Kind wird aus der vorangegangenen Aktivität ausgeschlossen und soll damit für seine Sünde, äh, Fehler bestraft, äh, ich meine bezahlen, nein, Moment, … es soll aus den Konsequenzen lernen, natürlich…

Ja, ich mag behaupten, dass das Kind tatsächlich eine ganze Menge dabei lernt. Nur leider nicht das, was sich die Erwachsenen wünschen. Während die ganz kleinen noch gar nicht in der Lage sind, so völlig abstrakte Dinge zu erfassen, entwickeln größere Kinder vor allem sehr kontraproduktive Gedanken. Insgesamt fühlen sich Kinder in ihre Not allein gelassen.

Ein eineinhalbjähriges Kind, welches an den Haaren der Schwester zieht und ins Zimmer gebracht wird, kann weder die Kausalität zwischen seinem Tun und das Verhalten seiner Eltern nachvollziehen, geschweige denn noch darüber reflektieren, wie es sich beim nächstem Mal verhalten sollte. Es hat wahrscheinlich nicht einmal verstanden, was an sein Verhalten falsch war und auch nichts darüber erfahren, wie es sich anstatt dessen verhalten hätte können. Warum kleine Kinder hauen, kratzen oder beißen und wie du damit umgehen kannst, erfährst du hier: 6 Gründe warum kleine Kinder hauen.

Was das Kind aber sicher verinnerlicht hat, ist, dass es so falsch ist, dass es die Liebe seiner Eltern nicht verdient und alleine mit seinen Gefühlen gelassen wird. Es hat schlicht panische Angst. Wie gravierend die Folgen sein können, lässt sich sehr eindringlich im Buch von Alice Miller, mit dem Titel „Am Anfang war Erziehung„, nachlesen. Alice Miller zeigt auf, dass „Jedes absurde Verhalten […] seine Vorgeschichte in der frühen Kindheit [hat]“Der Ausschluss des Kindes verstärkt außerdem in der Regel auch noch zusätzlich das unerwünschte Verhalten, denn das Kind fühlt sich zunehmend nicht gesehen. Ein Teufelskreis entsteht. Oftmals mit immer heftigeren Konsequenzen. Reale und strafende…

Genauso Wirkungslos sind solche Auszeiten langfristig auch bei größeren Kindern. Auch hier entsteht ein Teufelskreis mit immer drastischen Maßnahmen und nicht selten mit der Schlussfolgerung, mit dem Kind stimme etwas nicht: Das Kind wird problematisiert, etikettiert und für falsch erklärt. Das Problem hierbei liegt nämlich an der starken Fokussierung auf das Verhalten des Kindes.

Wenn wir davon ausgehen, dass hinter jedem Verhalten, auch ein zu erfüllendes Bedürfnis steckt, so ergibt es schon mal wenig Sinn, unser Blick einzig auf das Verhalten zu legen und daran herum zu erziehen. Wie in meinen Artikel Wenn der Wunsch nach Folgsamkeit, von unseren Bedürfnissen ablenkt verdeutlicht, ist es wichtig unsere Aufmerksamkeit auf das Bedürfnis zu lenken.

Eine sogenannte Auszeit sendet unseren Kindern, wie jede andere sogenannte Konsequenz (= Strafe), eine völlig falsche Botschaft. Eltern erziehen ihre Kinder, weil sie sie lieben. Sie wollen das Beste für ihre Kinder und sie sind oft davon überzeugt, dass es ohne Erziehung nicht geht. Und zur Erziehung gehören eben in der Regel auch Konsequenzen. Wenn sich Kinder dann nach erzieherischen Maßstäben schlecht benehmen, erfahren sie eben erzieherische Maßnahmen. Das Problem dabei aber ist, dass sich unsere Kinder in ihrer Not dann nicht gesehen fühlen.

Stell dir vor, du bist frustriert, überfordert und vielleicht sogar verzweifelt. Ja, womöglich liegt es daran, dass du einen Fehler gemacht hast. Und dein Partner verurteilt dich zusätzlich dazu, schickt dich weg und verweigert in dem Moment seine Nähe. Wie würdest du dich da fühlen? Ich nehme an, noch ein wenig schlechter und verzweifelter, vor allem aber nicht geliebt. Und das ist genau das Fatale daran. Eltern tun etwas aus Liebe und senden dabei die genau gegenteilige Botschaft an das Kind. Es fühlt sich nicht gesehen. Es fühlt sich nicht geliebt.

Was denken Kinder, wenn sie sich nicht gesehen fühlen und eigentlich über ihr Verhalten nachdenken sollen? Was würdest du denken, wenn du an die oben konstruierte Situation denkst?

Paizinho Vírgula bringt es mit vier beispielhaften Sätzen, die ich für euch frei übersetzt habe, auf den Punkt:

1. „Das ist so gemein!“

Wir empfinden Groll, sind verärgert und wütend. Das Kind sieht seine Eltern nicht als liebende Menschen, sondern sie sehen Machtmissbrauch und Ablehnung, auch wenn sie dies nicht so benennen können.

2. „Er/Sie wird schon sehen, was er/sie davon hat!“

Wir entwickeln den Wunsch, uns für die Ungerechtigkeit zu rächen. In Beziehungen zwischen Erwachsenen ist es oft der Anfang vom Ende: wir beginnen uns langsam innerlich zu lösen. Kinder sind aber zutiefst von uns Eltern abhängig und daher eher bereit sich von sich selbst abzuspalten. Auch hier lohnt sich die Lektüre des oben erwähnten Buches von Alice Miller sehr.

3. „Ich muss ein wirklich schlechter Mensch sein, denn ich habe es ganz bestimmt verdient.“

Die Botschaft ans Kind ist also, dass es nicht ok ist, so wie es ist. Es vertraut seinen Eltern und deren Urteil so sehr, dass es lieber an sich selbst zweifelt. Und das hat Folgen für das Selbstbewusstsein und für die Selbstachtung.

4. „Ich werde es nie nie nie wieder erzählen (oder besser verstecken)!“

Wir lernen also, dass Ehrlichkeit sich nicht lohnt und dass wir möglichst versuchen sollten, unsere Fehler zu vertuschen. Wir lernen außerdem, dass wir mit unseren Themen alleine sind und werden zweimal überlegen, bevor wir etwas diese uns straffende Person anvertrauen.

Hier wird auch sehr schnell deutlich, wie absurd das immer wieder zu hörende Argument ist, dass es doch besser sei, ein Kind ins Zimmer zu schicken als es anzuschreien oder gar zu schlagen. Nur weil es noch schlimmere Dinge gibt, wird etwas anderes nicht unschädlich oder zur Lappalie. Gerade erst erschien eine sehr umfassende und Augen öffnende Studie, der American Psychological Association, welche diese vermeintliche, einzig der Beruhigung des eigenen Gewissens dienliche, Abstufung entlarvt.

Kinder, die bestraft werden, verlieren vor allem eines: das Vertrauen. In ihre Eltern, in die eigenen Gefühle, daran geliebt zu werden und letztlich auch das Vertrauen an sich selbst.

Wir müssen beginnen die Dinge beim Namen zu nennen. Eine Konsequenz, ist eine Konsequenz. Das heißt, wie im oben genannten Artikel, wenn ich ins Wasser springe, werde ich nass. Der, durch die Eltern absichtlich herbeigeführte Verlust einer lieb gewonnenen Aktivität oder einer Sache, gehört nicht in diese Kategorie. Das nennt sich dann Strafe. Wenn wir in der Erziehung also über Konsequenzen sprechen, meinen wir Strafen. Und eine Strafe ist eine Strafe. Und sie schadet. Egal wie harmlos sie uns zunächst erscheinen mag, sie schadet. Nicht zuletzt der Beziehung zu unseren Kindern.

Ich für meinen Teil will, dass meine Kinder wissen, dass ich sie bedingungslos liebe und dass sie jederzeit zu mir kommen können. Passiere was wolle. Es reicht nicht, dass ich das weiß, es kommt darauf an, dass sie es auch spüren!

Du fragst dich, wie du dafür sorgen kannst, dass sich dein Kind geliebt fühlt und was du anstatt von Strafen tun kannst? Zu beiden Themen sind bereits Artikel in den Startlöchern. Willst du darüber informiert werden? Dann abonniere mein Newsletter und like meine Facebook-Seite! 😉

Aida S. de Rodriguez

About The Author

Aida S. de Rodriguez

Aida ist Mutter eines Zwillingspärchens und eines ein Jahr jüngeren Sohnes. Ihre Kinder wachsen interkulturell, mehrsprachig sowie bedürfnisorientiert auf. Als Coach, Beraterin und Trainerin begleitet sie Menschen rund um die Themen Unerzogen, Selbstwirksamkeit, Transformationsprozesse und Diversity. Ihre Vision ist ein gleichwürdiges Miteinander aller Menschen. Dafür setzt sie sich für die Rechte von Kindern auf gewaltfreien Umgang sowie auf ein selbstbestimmtes Leben und Lernen ein.

15 Comments

  • Eva Schrigten

    Reply Reply 7. Juni 2016

    Meine Frage passt nicht ganz zum Artikel aber zum allgemeinen Thema Konsequenzen. Wenn mein Kind andere Kinder mit Sand bewirft oder Erwachsene haut, was mache ich dann genau? Darf ich Nein sagen oder nehme ich dem Kind die Chance sich auszuprobieren?

    • Csilla

      Reply Reply 7. Juni 2016

      Hi!Abhängig wie alt das Kind ist würde ich erzählen warum sie dass machen sollte.Natürlich,das Kind spielt und vllt.einmal zu erklären wird nicht genug.Aber etwas zu lassen was gefärlich sein könnte ist nicht gut.Wenn das Sand in die Auge anderer Kind kommt,macht es kein spass mehr.Und hauen sowieso geht nicht.Ich würde konsequent jedes mal die spiel pausieren und erzählen z.b. bitte mach dass nicht,wei wenn es in die Auge von xy kommt ihn wird es weh tun.

    • Aida S. de Rodriguez

      Reply Reply 8. Juni 2016

      Hallo Eva, vielen Dank für deine Frage!

      Ich würde es von zwei Sachen abhängig machen: a) Kann sich die andere Person selbst schützen und abgrenzen? Oder braucht sie Hilfe? und b) ist mein Kind selbst überfordert und braucht Hilfe?

      Also, wenn mein Kleinkind ein anderes Kleinkind haut, dann gehe ich idR hin und frage, ob es dem Kind gut geht und ob ich es irgendwie helfen kann. Selbiges beim spielen mit Sand.
      Bei meinem Kind versuche ich herauszufinden, worum es ging und gehe dann entsprechend darauf ein. War mein Kind wütend, weil ihm das Spielzeug genommen wurde? Probiert es sich gerade ein wenig aus? Geht es um Frust? Um Freude? Um Lernen? Ist es womöglich Kommunikationsaufnahme?

      Ist es ein Spiel zwischen zwei Kindern und ich beobachte, dass sie es untereinander gut regeln, dann mische ich mich auch nicht ein, insofern ich nicht – wie auch immer – darum gebeten werde.

      Weiß ich hingegen, dass mein Kind derzeit eine Phase hat, in der er sich stark körperlich artikuliert, so begleite ich das Spiel intensiver. So saß ich dann auch eine ganze Weile neben meinem Kind im Sandkasten, um schlimmeres zu verhindern.

      Wenn mein Kind andere Erwachsene haut, dann greife ich immer dann ein, wenn ich den Gegenüber nicht einschätzen kann. Ich entschuldige mich und schaue bei meinem Kind worum es ging und gehe äquivalent zu oben darauf ein.
      In meinen Bekannten- und Freundeskreis kann ich weitestgehend davon ausgehen, dass sich die Erwachsene gut schützen können, ohne dabei mein Kind zu diskreditieren. Oder eben, dass sie sich ebenfalls darum bemühen zu erkennen, worum es ging und Notfalls uns um Unterstützung bitten. Ebenfalls mein Kind.

      Ich hoffe, das hilf dir ein wenig weiter!?

      Alles Liebe
      Aida

  • Claudia

    Reply Reply 8. Juni 2016

    Meine 4,5 jährige Tochter und meine 2 jährige Tochter schlafen bei mir. Wenn die Kleine müde ist und schreit und die Große ebenfalls schreit, weil sie nicht müde ist und auf dem Bett hüpfen will, habe ich gar keine andere Wahl, als sie rauszuschicken. Reden ist nicht möglich und bringt in der Situation auch nix und ich kann auch nicht gehen. Selbst wenn, was wäre die Botschaft? Ich setze mich solange in die Stube bis du dich ausgehüpft hast?
    Ihr Verhalten ist in diesem Moment kontra der Gemeinschaft und sie wird ausgeschlossen. Ein Vorgang, der Dutzend mal in der Kita abläuft. Und ist es nicht genau dieser Vorgang, der so wichtig ist, damit die Kinder lernen in der Gemeinschaft zurecht zu kommen?

    • Ephedra

      Reply Reply 8. Juni 2016

      Ich sehe das wie Claudia.
      Es kann nicht sein, dass man sich als Eltern alles von den Kindern gefallen lassen muss. Nicht nur das Kind hat Bedürfnisse sondern auch die Eltern. Man kann es natürlich erst mit bitten und reden versuchen aber wenn das nicht reicht muss eben eine andere Lösung her. Und wenn sich ein Kind hilflos und verloren fühlt, weil es mal 5 Minuten aus dem Zimmer geschickt wird, dann war da vorher schon was mit der Bindung nicht ok.

    • Aida S. de Rodriguez

      Reply Reply 8. Juni 2016

      Hallo Claudia, ich sehe das Dilemma und kenne diese Situation aus eigener Erfahrung sehr gut.

      Ich sehe auch nicht das Problem darin, das offenbar nicht müde Kind darum zu bitten, den Raum zu verlassen, wenn das Geschwisterchen gerade in den Schlaf begleitet wird.

      Wir schlafen hier im Familienbett und sobald einer dort bereits schläft, gilt: wer hier bleiben möchte, verhält sich ruhig. Egal ob groß oder klein. Umso kleiner die Kinder sind, desto schwieriger ist es ihnen das zu vermitteln, also habe ich immer versucht zu unden.

      „Schau, magst du in der Zeit dir das Buch anschauen und danach lesen wir zusammen?“
      Oder gibt es die Option das Geschwisterchen anders in den Schlaf zu begleiten? Ich hatte zB lange Zeit in sämtlichen Zimmer eine kleine Matratze. War ein Kind müde, lag es bei uns und ich habe es in den Schlaf gestreichelt, während sich die anderen nicht unter Druck fühlten nun zu schlafen oder „ums gesehen zu werden“ zu kämpfen.
      Allgemein nimmt selbstbestimmtes Schlafen ungemein den Druck. Gerade, wenn man mehrere Kinder hat.

      Was aber ist, wenn das Geschwisterchen nur im dunklen, ruhigen Zimmer zur Ruhe kommt und es keine Alternative dazu gibt?

      „Ok, du magst springen, ist in Ordnung. Das kannst du draußen machen. Hier versucht deine Schwester gerade zu schlafen. Ich werde sie jetzt begleiten. Du kannst auch gerne solange mit mir warten, aber dann bitte in Ruhe.“

      Das ist keine Strafe. Dein Kind hat Option a) oder b). Du willst es nicht für ein bestimmtes Verhalten strafen, sondern das Geschwister in den Schlaf helfen. Es ist eine Frage der Haltung.

      Die Sache ist, du kannst nicht erwarten, dass es dann klappt. Deien Tochter ist mit 4,5 ebenfalls noch klein. Also wäre es für alle einfacher, wenn es für die Zeit zB eine Begleitung für sie gäbe oder eine Aktivität, die sie gerne macht und dir die nötige Ruhe und Zeit schafft. Oder eben doch irgendwie nach einer Möglichkeit des „undens“ schauen.

      „Ihr Verhalten ist in diesem Moment kontra der Gemeinschaft“ Nein! Ihr Verhalten ist nicht kontra der Gemeinschaft. Da unterstellst du ihr eine böse Absicht. Sie tut nichts gegen euch, sondern etwas für sich. Sie will sich mitteilen. Sie will noch nicht ins Bett. Sie ist nicht müde. Sie will aber auch nicht alleine sein.

      Versuche ihr Verhalten nicht als Angriff zu betrachten, sondern als das, was es ist: sie äußert ein Bedürfnis. Und es liegt nun an dir, es zu erkennen und die der beiden Kinder sowie deine zu unden.
      Es gibt keinen Grund sie auszuschließen.

      „Ein Vorgang, der Dutzend mal in der Kita abläuft.“ Schlimm genug. Es ist an der Zeit, dass sich etwas ändert.

      „Und ist es nicht genau dieser Vorgang, der so wichtig ist, damit die Kinder lernen in der Gemeinschaft zurecht zu kommen?“ Nein! Das Ergebnisse solcher Art des Umgangs miteinander äußert sich jeden Tag in der Welt. Eine Welt geprägt von Konkurrenzkampf, Krieg, mangelndes Vertrauen in sich und anderer, Entfremdung, Fremdenhass, Flucht und noch vieles vieles mehr.
      Ich glaube nicht, dass es ein gutes Vorbild ist.

      Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir Menschen von Natur aus kooperative Wesen sind. Und um das auch zu bleiben, brauchen wir eine empathische Begleitung, Liebe und Vertrauen.

      Kinder lernen gesellschaftliche Normen durch Vorbild. Wenn dir Respekt, Gemeinschaft und Empathie wichtige Werte sind, so lebe diese vor. Durch einen respektvollen, empathischen Umgand, der zu unden versucht.

      Alles Liebe
      Aida

      • Claudia

        Reply Reply 11. Juni 2016

        Natürlich ist mir klar, dass sie sich mitteilen will. Kontra in dem Sinne, dass alle müde sind und schlafen wollen und sie in dem Moment genau das gegenteilige Bedürfnis hat. Hinsichtlich der Evolution wären solche Gruppenmitglieder eine Gefahr für die Gemeinschaft geworden. Und im Beispiel Kindergarten bezog ich mich auf die Kinder untereinander. Wer sich nicht an die Spielregeln hält, hat bald keine Freunde mehr. Und ich glaube Rassismus ist ein Urinstinkt und kein anerzogenes Phänomen.
        Nochmal zu meiner Tochter. Ab acht oder neun Uhr abends bin ich selber platt. Wenn die ganz Kleine endlich schläft, habe ich einfach gar nicht mehr die Kraft nochmal aufzustehen. Es gibt also keine Alternative. Dazu kommt, dass die Große auch am nächsten Tag früh aufstehen muss. Je später der Abend, desto größer die Katastrophe am Morgen. Ich gebe ihr die Möglichkeit sich leise mit etwas anderem zu beschäftigen oder im Bett mit mir zu kuscheln. Aber das lehnt sie ab. Viel Zeit zum hin und her reden bleibt nicht,denn die ganz Kleine steigert sich von Minute zu Minute ins Schreien rein. Da ich ihr Schlafbedürnis über das Hüpfbedürfnis stelle,bleibt für mich keine Wahl, als meine Große in die Stube rauszuschicken.
        Man kann nicht immer seine Bedürfnisse ausleben. Das funktioniert einfach nicht im Leben.

        • Julia

          Reply Reply 15. Juni 2016

          Hallo Claudia,

          abgesehen davon, dass ich Dein Dilemma kenne und verstehe (ich habe auch Kinder die 2 Jahre auseinander sind und das Einschlafproblem hatten wir auch – allerdings habe ich die Kleine gestillt und das hat das Schreien zumindest meist verhindert und ich hab den Großen eine Gute-Nacht-App auf dem Handy machen lassen – vielleicht eine Idee für Euch?) – blieb ich an der Aussage hängen, dass Rassismus ein Urinstinkt sein soll. Wie kommst Du darauf???

          Und dass man seine Bedürfnisse nicht immer ausleben kann, ist natürlich klar. Das müssen Kinder aber erst lernen. Rücksichtnahme lernt man nicht in einem Jahr. Das ist ein Prozess, wie Empathie, Perspektivenwechsel etc.pp.
          Grüße, Julia

  • Stefanie

    Reply Reply 8. Juni 2016

    Wie ist das, wenn es im Kindergarten passiert? Mein Sohn wurde auch ein paar mal auf die Bank gesetzt (mit Erzieher allerdings!), weil er beim Mittagessen zu viel provoziert hätte (kann ich mir bei ihm schon auch vorstellen, dass er recht viel ausprobiert hat). Ich frage mich, schadet ihm das, wenn es dort immer wieder passiert? Zu Hause versuche ich nicht bzw. immer weniger zu erziehen. In Kitas ist das denke ich schwierig, wegen des niedrigen Betreuungsschlüssels, oder?

    • Aida S. de Rodriguez

      Reply Reply 8. Juni 2016

      Hallo Stefanie,

      das ist natürlich etwas schwer zu beurteilen. Mir fehlen da ein Paar Informationen zu Situation, allerdings lässt mich das Wort „provozieren“ aufhorchen. Dieses Wort verrät nämlich eine ganze Menge über die Haltung zum Kind.

      Wenn mir eine pädagogische Kraft berichten würde, mein Kind habe provoziert, so würde ich da sehr genau hin hören. Hinter jedem Verhalten, versteckt sich auch ein zu erfüllendes Bedürfnis. Ich werde nicht müde, diesen Satz zu wiederholen.

      War dein Kind also unruhig beim Essen? Warum war das so? Erwarten sie zu viel von den Kinder? War er noch nicht hungrig? War er noch aufgebracht vom vorangegangen Spiel? Sind die bestehenden Regeln womöglich nicht wirklich nachvollziehbar für das Kind?
      Was also ist da los? Im außen und im innen? Hat jemanden da genau hingeschaut oder wurde das Kind gleich als Problem identifiziert?

      Es ist also eine Frage der Haltung.

      Dann ist da noch eine einfache Frage: Wie würdest du dich fühlen, wenn du von etwas ausgeschlossen wirst? Ich nehme an, nicht so gut. Wenn der Ausschluss auch noch stattfand mit der Botschaft, ich sei nicht in Ordnung, umso mehr.

      Wenn ich aber merke, dass ein Kind noch nicht hungrig ist oder aufgebracht oder oder oder und es dadurch den Ablauf extremst stört, dann kann ich es bitten einen Moment zur Ruhe zu kommen. Ich helfe (!) dem Kind, begleite es und vermittel nicht das Gefühl: du bist nicht ok. Sondern „hey, ich sehe, dass du noch ein Moment brauchst. Komm, wir gehen kurz zusammen auf die Bank und bequatschen das.“ Die Botschaft hier ist: Ich sehe dich!

      Hilf dir das ein wenig weiter?

      Liebe Grüße
      Aida

  • Jenniffer

    Reply Reply 9. Juni 2016

    Ui, liebe Aida, das Thema triggert bei mir enorm :-/ Ich bin so groß geworden, ständig Zimmerarrest zu haben, wenn ich etwas nicht getan habe, wie meine Eltern es wollten. Oder ich habe etwas getan, das ich hätte anders tun müssen. Und so weiter. Beim Lesen Deines Artikels war ich selbst wieder ein kleines Mädchen. Umso wichtiger ist mir, es bei unserem Sohn anders zu machen. Das beginnt ja schon im ersten Lebensjahr: Lasse ich mein Kind schreien oder renne ich, so schnell ich kann zu ihm und tröste ihn?! Ich habe letzteres entschieden. Und das war und ist auch gut so! Vielen Dank für die Aufklärung. Es sollte eigentlich selbstverständlich sein. Ist es aber nicht. Deine Jenniffer

  • Isabella

    Reply Reply 10. August 2016

    Hallo! Ich bin zufällig auf diese Seite gestoßen und lese interessiert.
    Ich schicke mein Kind manchmal auf die Bank oder in das Zimmer, wenn er den Hund ärgert. Er läuft dem Hund nach, haut ihm im Vorbeigehen, will ihm auf Pfoten oder Schwanz steigen. Das ist eine gefährliche Situation, wenn der Hund dann zubeißt. Ich kann nicht immer den Hund wegsperren. Der Hund möchte ja auch nicht alleine sein.
    Was würdest du in so einer Situation tun? Liebe Grüße Isi

  • Maren

    Reply Reply 10. Mai 2017

    Ich hab das leider in der Vergangenheit mit meiner Tochter so gemacht.
    Da ich mich die letzten Wochen sehr mit unerzogen beschäftige möchte ich das natürlich nicht mehr. Es ist schwierig da meine Tochter oft Blödsinn macht und teils ihre kleine Schwester gefährdet und ich sie deswegen dann aus dem Raum schicke. Ich weiß mir dann einfach oft nicht anders zu helfen, da ich ja auch meine kleine Tochter (1,5 Jahre) schützen muss. Und wie reagiere ich wenn mein Mann sie ins Zimmer schickt aber ich es eigentlich nicht möchte?

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