14 Handlungsalternativen zu Strafen als Erziehungsmethode

nio en la carretera

Konsequenzen, Auszeit, Stille Treppe, Nachsitzen, Strafarbeiten, „Das Kind muss lernen zu hören“. Es gibt unendlich viele Namen und Ausdrucksweisen für das, was eigentlich gemeint ist: Die Rede ist von StrafeDas Kind soll etwas lernen. Soll Kausalitäten zwischen einem schlechten Benehmen und der Strafe erkennen, das eigene Verhalten reflektieren und es vor allem möglichst sofort einstellen. Dahinter steckt der elterliche Wunsch, das Kind zu erziehen.

Eltern wollen in der Regel das Beste für ihr Kind. Sie wollen es schützen und auf das „wahre“ Leben vorbereiten. Und sie meinen oft, das ginge nur mit Erziehung und durch erzieherische Maßnahmen. Und auch dafür gibt es zahlreiche Gründe, wie zum Beispiel fehlendes Wissen um die negativen Folgen solcher Maßnahmen sowie über die Entwicklungsetappen von Kindern. Daneben aber vor allem auch das Fehlen an gewaltfreien Vorbildern und Handlungsalternativen. In diesem Artikel soll es genau darum gehen, um Alternativen zur Strafe.

Ich habe in den letzten Wochen das Thema Erziehung und die daraus resultierenden Maßnahmen und Methoden aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und aufgezeigt, warum es völlig überflüssig und noch dazu schädlich ist. Hier zunächst noch einmal eine kleine Zusammenfassung, die das Thema Strafe aufgreift:

1. Wie ich zu der Aussage komme, dass Konsequenzen mit Strafen gleichzusetzen sind, kannst du im Artikel Wenn du in die Pfütze springst, gehen wir nicht auf den Spielplatz nachlesen.

„Eine Konsequenz ist eine unabdingbare Folge auf etwas. Sie ist logisch und zwingend.“ Das unterscheidet sie von der Strafe.

2. In meinen letzten Artikel Geh sofort auf dein Zimmer habe ich beschrieben, warum Auszeiten und somit Strafen allgemein schädlich sind, sowohl für das Kind als auch für unsere Beziehung zueinander. Strafen führen außerdem nicht das erwünschte Erziehungsziel herbei und sind somit obsolet.

„Kinder, die bestraft werden, verlieren vor allem eines: das Vertrauen. In ihre Eltern, in die eigenen Gefühle, daran geliebt zu werden und letztlich auch das Vertrauen an sich selbst. […] Eltern tun etwas aus Liebe und senden dabei die genau gegenteilige Botschaft an das Kind. Es fühlt sich nicht gesehen. Es fühlt sich nicht geliebt.“

3. Daneben erkläre ich in meinem Video Gewaltfrei geht nur ohne Erziehung!, warum ich Erziehung per se für Gewalt halte. Ich beleuchte dabei verschiedene erzieherische Methoden, wie zum Beispiel „Wenn-dann-Sätze„, welche im erzieherischen Sinne eine Drohung zur Strafe beinhalten; und die Benachteiligung von Kindern aufgrund ihres Alters. 

„Unerzogen bedeutet der Verzicht auf Erziehung. Erziehung verstanden als die bewusste Formung eines Menschen, in der Regel eines Kindes, in eine von jemanden anderes als das Selbst, meist Eltern oder Pädagogen, für richtig befundene Richtung. Das ist übergriffig. Das ist Gewalt.“

4. Ganz oft versuchen wir, auch an Dingen herum zu erziehen, die schlicht zur natürlichen menschlichen Entwicklung gehören. Dies geschieht insbesondere in der Autonomiephase. Dazu kannst du dir folgende Artikel anschauen: 8 Tipps um Kinder entspannt über die Autonomiephase zu begleiten und 6 Gründe warum kleine Kinder hauen. In beiden Artikel findest du bereits zahlreiche bedürfnisorientierte und gewaltfreie Alternativen zur Bestrafung.

Gerade der zweite Artikel fand enormen Anklang. Es wurde mehrere Tausende Male geteilt und von verschiedene online Medien aufgegriffen. Das und die zahlreichen Rückmeldungen dazu zeigen mir, dass das Thema zum einem unendlich viele Menschen beschäftigt, da vollkommen normal, zum anderem aber zugleich stark tabuisiert wird. Viele Eltern tragen einen großen Schmerz in sich, da sie sich nicht nur überfordert fühlen, sondern sich auch noch für das Verhalten ihres Kleinkindes schuldig und vor allem auch verurteilt fühlen.

„Kinder hauen nicht, weil sie böse sind. Kinder hauen auch nicht aufgrund von liebevoller Begleitung. […] Indem wir immer nur das Verhalten betrachten, vergessen wir unseren Blick auf die dahinterliegenden Bedürfnisse zu lenken.“

Und „das Verhalten unserer Kinder in der Autonomiephase ist mitunter furchtbar nervig und unglaublich anstrengend. Sie ist aber weder ein persönlicher Angriff auf uns Eltern, noch dient sie als primärer Indikator für fehlende elterlicher Kompetenz.“

5. Zum Thema Bedürfnisse habe ich ebenfalls einen eigenen Artikel geschrieben. Im Artikel Wenn der Wunsch nach Folgsamkeit von unseren Bedürfnissen ablenkt erfährst du, wie du die Bedürfnisse hinter dem Verhalten deines Kindes sowie hinter deinem eigenen Verhalten erkennen kannst. Außerdem zeige ich auf, dass es uns Eltern selten tatsächlich um Folgsamkeit geht, sondern um Schutz und wie so oft um Überforderung sowie das Fehlen von Handlungsalternativen.

„Wenn erst einmal klar ist, was uns wichtig ist, worum es uns selbst geht und wir auch eine Vorstellung davon haben, worum es dem gegenüber gehen könnte, in dem Fall unserem Kind, können wir beginnen zu unden. Das heißt nach einer gewaltfreien Lösung zu suchen, die ein sowohl als auch ermöglicht.“

6. Inwiefern wir mit unseren Erwartungen und eigenem Rucksack an selbst erlebter Erziehung, die Konflikte mit unseren Kindern zum Eskalieren bringen, erfährst du in den folgenden drei Artikeln: 1.) Wenn Kinder nicht hören wollen, 2.) Geschwisterstreit und 3.) 5 Glaubenssätze, die uns das Leben schwer machen.

„Wir neigen dazu, von Kindern Dinge abzuverlangen und zu erwarten, wozu sie schlicht noch nicht in der Lage sind und bei den Sachen, die sie eigentlich können, unterschätzen wir ihre Kompetenz und limitieren sie.“

Das gilt oft auch für das Zusammenleben von Geschwistern: „Unsere Reaktion auf die Streitigkeiten zwischen den Geschwistern beeinflusst maßgeblich die Entwicklung ihrer Konfliktlösungsfähigkeit.“

Nicht nur die Konfliktfähigkeit unserer Kinder, sondern auch unsere eigene wird maßgeblich von unseren Glaubenssätzen determiniert: „Glaubenssätze werten uns nicht nur ab, sie hindern uns auch daran Verantwortung zu übernehmen.“

Und das erleben insbesondere Kinder: „Unsere Kinder tanzen uns also nicht auf der Nase rum. Sie leben! Sie tun nichts gegen uns. Sie tun etwas für sich.“

Nach der Lektüre all dieser Artikel entsteht bei dem einen oder anderen der Wunsch nach konkreter Soforthilfe. Erzieherische Glaubenssätze hinter sich zu lassen, ist in der Regel ein lebenslanger Prozess. Auf Bedürfnisse einzugehen, setzt voraus, diese überhaupt erst erkennen zu können. Je nachdem wie viel Erziehung man selbst erfahren hat, ist dies ebenfalls keine so einfache Aufgabe.

Wenn wir alte Muster hinter uns lassen möchten, brauchen wir Zeit. Wir brauchen Geduld und auch Empathie mit uns selbst. Aber es ist möglich, Erziehung hier und jetzt einzustellen. Dazu gehört eine Entscheidung. Darüber habe ich bereits in meinem Artikel Es ist nie zu spät neu zu beginnen geschrieben.

Veränderungen beginnen immer in uns! Es ist nie zu spät, neu zu beginnen. Es ist nie zu spät, auf Erziehung zu verzichten. Wir können uns jederzeit für die Liebe entscheiden und somit den Teufelskreis der Gewalt durchbrechen.“

Was kommt aber dann?

Da wo Erziehung weg fällt, hat Beziehung Platz!

Es kommt an dieser Stelle immer gerne der Einwand: „Aber ich habe doch eine Beziehung zu meinem Kind! Trotz Erziehung!“. Ja, sicher, das würde ich auch niemals abstreiten wollen. Ich spreche aber von einer Beziehung, die auf Vertrauen und Liebe, anstatt Angst und Kontrolle beruht. Ich empfehle hierzu den Dokumentarfilm Alphabet.

Beziehung heißt hier: Augenhöhe, Respekt, Offenheit, Neugier, Authentizität und Achtsamkeit. Mein Kind ist mir gleichwürdig, wie Jesper Juul es nennt. Wir sind Menschen und somit in unserer Würde gleich. Und mein Kind ist ok, so wie es ist, wie es Katia Saalfrank in ihrem Buch schreibt. Ich bin neugierig darauf, es kennen zu lernen und will es nicht in gesellschaftliche Vorstellungen reinpressen. Ich begleite mein Kind auf seinem (!) Weg.

Ich verstehe aber den Wunsch nach Soforthilfe und möchte euch dazu, wie wir Trainer es zu sagen pflegen, einen Werkzeugkoffer an die Hand geben. Es ersetzt nicht den Prozess der Veränderung, der nicht nur wichtig ist, sondern auch heilsam und unabdingbar, wenn man Beziehung statt Erziehung leben will. 

Wer Tipps erwartet, welche beim Kind ein bestimmtes Verhalten auslösen, wird enttäuscht sein. Unerzogen funktioniert nicht! Unerzogen ist eine Haltung zum Leben und weder ein Konzept, noch eine Methode!!!

Hier aber nun meine Alternativen zur Strafe, die du sofort sowie auch langfristig anwenden kannst:

1. Fokussiere dich auf das Bedürfnis, nicht auf das Verhalten

Auch wenn du noch nicht das Bedürfnis erkennen kannst, so mache dir bewusst, dass eines existiert! Mache dies zu einer unabdingbaren Annahme! Und zu deinem Mantra: Mein Kind will mir etwas sagen. Es hat Bedarf an etwas. Sein Verhalten ist sekundär. Auf die Botschaft kommt es an. Und die Bitte dahinter lautet immer: Schau hin!“

Das hilft dir den behavioristischen Blick abzulegen und hinter dem Verhalten, dein Kind zu sehen. Es bedeutet also, einen Moment lang inne zu halten!

2. Aus der Situation nehmen und zusammen (!!!) zur Ruhe kommen

Wenn du merkst, dass eine Situation eskaliert und sowohl du als auch dein Kind überfordert damit sind, so geht raus aus der Situation. Du zusammen mit deinem Kind. So habt ihr die Chance, vor allem aber auch dein Kind in liebevoller Begleitung, eure Impulse und Gefühle zu beruhigen.

Anstatt „Geh sofort auf dein Zimmer!“, kannst du dann sagen „Komm, wir setzen uns kurz zusammen drüben hin!“.

3. Aus Fehlern lernen

Das gilt sowohl für dich als auch für dein Kind. Wenn du noch zu stark in alten Gedankenmustern gefangen bist, so könnte dir ein kleiner Trick helfen, den ich mal bei Paizinho Vírgula gelesen habe: Gib deinem Kind und auch dir eine „zweite Chance“. Jeder macht mal Fehler und vielleicht hilft dir der Gedanke ja, mal Fünfe gerade sein zu lassen!?

Wenn du also merkst, dass dich dein erster Impuls dazu verleitet, dein Kind zu bestrafen, gib ihm gedanklich eine neue Chance! Und wenn du merkst, dass du dich im ersten Moment übergriffig verhalten hast, so kannst du dich entschuldigen und die Strafe wieder auflösen.

4. Zusammen nach Lösungen suchen

Manchmal machen Menschen Dinge, die uns stören. Das kann der Partner sein, die beste Freundin oder aber auch unser Kind. Setzt euch zusammen hin und besprecht das Thema miteinander. Vielleicht hilft dir das Gespräch auch, deinen Bedürfnissen auf die Spur zu kommen, und dein Kind hat Ideen, die dir selbst nicht eingefallen wären.

Wir glauben oft, immer für alles die Antwort kennen zu müssen. Das ist utopisch und gar nicht notwendig. Und das dürfen wir auch offen zugeben: „Du, ich bin gerade Ratlos und komme hier nicht weiter. Hast du eine Idee dazu?“ Unsere Kinder sind meist deutlich kompetenter als wir glauben. Außerdem sind wir Menschen eher bereit zu kooperieren, wenn wir am Entstehungs- und Entscheidungsprozess beteiligt waren.

5. Was will mein Kind mir mit seinem Verhalten wirklich sagen?

Übe es immer wieder, dich auf das Bedürfnis hinter dem Verhalten einzulassen. Gehe in Austausch in entsprechenden Foren oder Gruppen wie die unerzogen auf Facebook. Kaufe Bücher dazu, lese das unerzogen Magazin, stöbere in Blogs. Wissen verändert unsere Wahrnehmung und Perspektive auf die Dinge. Du wirst sehen, dass es dir immer leichter fallen wird, Bedürfnisse zu erkennen. Vor allem aber, rede mit deinem Kind!

Frage also in der konkreten Situation: „Kind, was brauchst du?“

6. In einer ruhigen Minute miteinander reden

Hast du schon einmal versucht, in einer hitzigen Diskussion mit einem Erwachsenen auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen? Meiner Erfahrung nach ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht ohne Grund hat man bei wichtigen Meetings immer auch einen Moderator dabei. Wenn wir aufgebracht und mit unseren eigenen Emotionen beschäftigt sind, sind wir kaum in der Lage, uns auf jemanden anderes einzulassen. Erst wenn wir wieder Herr unserer Gefühle sind, können wir auch über die Ereignisse nachdenken.

Impulskontrolle ist etwas, was reifen muss. Selbst Erwachsene regieren oft äußerst impulsiv. Kinder leben ihre Gefühle noch viel stärker aus. Lasse ihnen Raum und suche das klärende Gespräch später. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass deine Sorgen und Wünsche erhöht werden, deutlich größer.

7. Alternativen anbieten

Wenn dein Kind etwas tut, was du – warum auch immer – nicht möchtest oder nicht ermöglichen kannst, so biete Alternativen an. Sei kreativ und versuche, außerhalb der Box zu denken!

„Nee, du, ich habe den Sofabezug gerade erst gewachsen! Du kannst ohne Schuhe springen oder gehst raus zum Trampolin.“

8. Gemeinsame Aktivitäten zur Entspannung und Entladung anbieten!

Wenn bei uns die Stimmung zu kippen droht und bereits gereizt und unentspannt ist, da macht mein Mann gerne eine spontane Party. Musik an und gemeinsam abtanzen. Mittlerweile gibt es sogar ein kleines Disco-Licht im Haus. Es macht Spaß, verbraucht Energie, vor allem aber werden die negativen Spannungen ins Positive gelenkt.

Schön sind auch das gemeinsame durchkitzeln, Kissenschlachten, Schwertkämpfe oder Monster und Dinosaurier aus dem Haus zu verjagen. Dazu passt wunderbar auch der nächste Punkt.

9. Spielen!

Dazu gehört das gemeinsame Lesen von Büchern, Zeichnen und Malen, genauso wie das Nachspielen von Situationen mit Puppen, das Einbeziehen von Handpuppen oder auch Rollenspiele, Verkleiden sowie vieles andere mehr. Es stärkt die Bindung, hilft Stress abzubauen, Geschehenes gemeinsam zu verarbeiten, Dinge besser zu begreifen, indem es erlebt und erfahren wird sowie auch dabei Kinder auf Herausforderungen vorzubereiten. Zu diesem Thema hat Andrea von Herzglückskind einen wundervollen Artikel verfasst: Spiel mit mir!.

Wenn dein Kleinkind also immer wieder die Katze ärgert, so kannst du ihm durch Rollenspiele, Handpuppen oder zum Beispiel mit Hilfe von Bilderbücher versuchen (!) zu erklären, warum du das nicht willst. Besser noch, du zeigst deinem Kind Handlungsalternativen. Zum Beispiel, wie es mit der Katze spielen kann, sodass es für beide ein positives Erlebnis wird.

10. Geht raus!

Es gibt kaum etwas, was so hilfreich ist, wie ein kleiner oder auch großer Tapetenwechsel. Gerade draußen in der Natur oder aber auch im Großstadtdschungel gibt es so viel zu entdecken, da sind die schlechten Vibes schnell vergessen. Auch wenn es nur eine kurze Runde vor der Haustür ist. Frische Luft „belüftet“ auch das Gehirn. 😉

Gemeinsame Unternehmungen stärken außerdem das Gemeinschafts- bzw. Zusammengehörigkeitsgefühl, schafft neue positive Erinnerungen und erweitert bei allen Beteiligten den Horizont.

11. Atmen!

Wirklich, das hilft hervorragend. Atme wenigstens 3 Mal ein und aus bevor du handelst. Atme von den Füßen bis zum Kopf ein und vom Kopf bis zu den Füßen wieder aus. Komme zur Ruhe! Vermeide so, unüberlegte Reaktionen aus dem Affekt bzw. aus einen ersten, erzieherischen Impuls heraus.

Wenn atmen nicht dein Ding ist, dann könntest du zum Beispiel in Gedanken bis zehn zählen oder dich einmal durchstrecken, gähnen, etc. Gönne dir eine Pause zwischen dem erhaltenen Input und deiner Reaktion darauf.

12. Raum für Rückzug!

Gib deinem Kind die Möglichkeit, sich von sich aus zurückzuziehen, wenn es wütend ist oder einfach Ruhe benötigt. Sag ihm, dass du da bist, wenn es soweit ist und mit dir sprechen oder kuscheln mag.

Du sollst dein Kind nicht wegschicken, aber ihm ermöglichen, von sich aus diese Strategie zu wählen. Gerade wenn im Haushalt viele Menschen sind, ist es wichtig, einen Ort zu haben, in dem nur wir das Sagen haben. Das gilt auch für Kinder. Und sei es, dass auch sie die Badezimmertür hinter sich schließen können oder in einen gemeinsamen Raum, einen privaten Ort haben. Das kann ein Hochbett sein oder zum Beispiel ein kleines Zelt.

13. Anstatt deinem Kind eine einsame Auszeit zu verpassen, gönne dir Zeit „zur Besinnung zu kommen“

Wirklich, bevor du dein Kind anschreist, wegschickst oder sonst wie angreifst, gehe du einen Moment aus der Situation. Und zwar am besten noch bevor es eskaliert. Achte auf dich und die Zeichen deines Körpers. Wir „sehen es oft frühzeitig kommen“. Also reagiere auf diese Anzeichen und gehe kurz verschnaufen, lasse Wasser übers Gesicht laufen oder sonst was, was auch immer dir auf die schnelle helfen mag.

Lerne also auch dich kennen und werde achtsam mit dir!

14. Bitte um Hilfe!

„Du, Schatz, ich bin gerade nicht in guter Verfassung/bin müde. Ich verliere die Geduld und werde gemein. Bitte, übernimm du!“ So mache ich das mit meinen Mann oder andere uns nahe stehende Personen.

Es ist keine Schande, an seine Grenzen zu kommen. Wir alle sind mal dünn häutig und gestresst oder werden durch bestimmte Themen stark getriggert. Wenn es die Möglichkeit gibt, dies zu kommunizieren und Hilfe zu erhalten, dann nutze das! Familiäre Unterstützung, anstatt falsche Loyalität zum anderen Elternteil. Nicht die Eltern müssen gemeinsam an einem Strang ziehen, sondern die Familie als Ganzes. Dazu gehören auch die Kinder. Damit ist allerdings nicht gemeint, dass alle immer derselben Meinung sein müssen. Konflikte gehören zum Leben dazu.

Du kannst niemanden ändern, aber du kannst an dir arbeiten. Das wiederum hat Einfluss auf dein gesamtes Umfeld. Suche die Lösung nicht am Kind, sondern arbeite an dir und gestalte eure Lebensrealität so artgerecht wie möglich. Das entlastet nicht nur, sondern ermöglicht ein gleichwürdiges Miteinander.

Saluditos & Axé

Eure

Aida S de Rodriguez

 

 

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Foto © esthermm by Fotolia.

About The Author

Aida S. de Rodriguez

Aida ist Mutter eines Zwillingspärchens und eines ein Jahr jüngeren Sohnes. Ihre Kinder wachsen interkulturell, mehrsprachig sowie bedürfnisorientiert auf. Als Coach, Beraterin und Trainerin begleitet sie Menschen rund um die Themen Unerzogen, Selbstwirksamkeit, Transformationsprozesse und Diversity. Ihre Vision ist ein gleichwürdiges Miteinander aller Menschen. Dafür setzt sie sich für die Rechte von Kindern auf gewaltfreien Umgang sowie auf ein selbstbestimmtes Leben und Lernen ein.

12 Comments

  • Claudia

    Reply Reply 26. August 2016

    Hab eine Frage zur Impulskontrolle. In einem Artikel darüber gab es eine Methode mit einer Stoppuhr. Es klang recht interessant, aber dennoch fühlt es sich nach Dressur an. Im Prinzip so: Kind will etwas und soll einige Sekunden warten, weil etwas „dazwischen“ gekommen ist. Wartezeit wird verlängert und Kind fürs Warten gelobt.
    Gut sie lernen Warten, aber lernen sie tatsächlich auch ihre Impulse zu kontrollieren und damit in Wut nicht zu hauen?
    Oder ist es einfach ein Prozess der im eigenem Tempo erlernt wird, wie laufen und sprechen?

    • Aida S. de Rodriguez

      Reply Reply 13. September 2016

      Hallo Claudia,

      du liegst mit deiner Vermutung vollkommen richtig. Das ist Dressur. Das Kind lernt allerdings auch nicht zu warten, sondern es lernt sich nach den Vorstellungen anderer zu verhalten und erwartet dafür bitte auch eine Belohnung. Es ist keine intrinsische Motivation und unterliegt auch keinerlei Erkenntnis, sondern es ist Folgsamkeit und Fremdbestimmung.

      Impulskontrolle ist ein Reifungsprozesse. Gesunde Menschen lernen ihre Impulse zu kontrollieren, wenn sie ihre Gefühle kennen lernen dürfen, angenommen sowie begleitet werden und verschiedene Strategien im Umgang mit ihnen erfahren und ausprobieren können. Traumatisierte Menschen müssen sich mit ihrem Trauma auseinandersetzen, Bewusstsein entwickeln und neue Formen der Co-Regulation erfahren. Dressur ist weder nachhaltig, noch gesund.

      Alles Liebe
      Aida

  • Claudia

    Reply Reply 26. November 2016

    Hi
    Danke für den ausführlichen Bericht und viele Beispiele.
    Der Link zum Dokumentarfilm Alphabet funktioniert leider nicht. Gibt es einen anderen? Er wurde wegen Urheberrechten gelöscht, wenn ich das richtig verstehe.
    Viele Grüße Claudia

    • Aida S. de Rodriguez

      Reply Reply 26. November 2016

      Hallo Claudia,

      vielen Dank für die Rückmeldung!

      Der Film ist immer wieder über Youtube zu finden, kann aber auch käuflich erworben werden. Ebenfalls das Buch.

      Liebe Grüße
      Aida

  • Herr Lehrer

    Reply Reply 11. Mai 2017

    Liebe Autorin,
    Liebe Leserinnen und Leser,
    Liebe Eltern,
    wir leben in einem freien Land. Ich halte die Meinungsfreiheit für ein hohes Gut und respektiere daher diesen Artikel.
    Ich habe nur eine Bitte: Wenn Sie Ihre Kinder nach diesem Prinzip auf die Zukunft vorbereiten (ich meine eigentlich erziehen), dann melden Sie Ihr Kind bitte nicht an meiner Schule an.

    Es grüßt
    Herr Lehrer

    • Aida S. de Rodriguez

      Reply Reply 16. Mai 2017

      Lieber Herr Lehrer,

      danke für ihre Fürsorge! Wir kommen Ihrer Bitte sehr gerne nach und werden einen Bogen um Sie und die Ihnen Arbeit gebende Institution machen.

      Es grüßt
      Frau Mensch

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