Hilfe! Mein Kind will nicht in den Kindergarten! – mögliche Gründe und Lösungswege

Sad child looking out the window on falling snow. Toning photo.

In meinem Coaching und in den verschiedenen Elterngruppen auf Facebook werde ich immer wieder mit Themen rund um den Besuch eines Kindergartens konfrontiert. Besonders groß ist die Verzweiflung, wenn die Kinder sich weigern in den Kindergarten zu gehen und die Eltern keine Alternativen sehen. Das verleitet sie oft zu der Frage:



Wie schaffe ich es, dass mein Kind in den Kindergarten geht?

– ohne Gewalt auszuüben…?

Die Frage verdeutlicht sehr schön das eigentliche Problem: die vermeintliche Alternativlosigkeit und die Suche nach Lösungen am Kind.

Ich lade an dieser Stelle Eltern und Betreuer gerne dazu ein, eine andere Perspektive einzunehmen: lasst uns schauen, warum dieses eine Kind nicht in diesen oder allgemein nicht in den Kindergarten mag.

Wenn ich die Gründe kenne, fällt es mir leichter nach Lösungen zu schauen.



Wenn ich mein Kind ernst nehme und davon ausgehe, dass es Gründe hat, bin ich bereit für Beziehung und lebe Gleichwürdigkeit


Betrachte ich hingegen das Kind als das Problem, da es meine Pläne torpediert und nicht funktioniert wie es soll, bin ich längst in einer gewaltvollen Haltung verhaftet.

Die Frage ist also nicht, wie kriege ich mein Kind in den Kindergarten, sondern was braucht mein Kind, was hindert es daran zu kooperieren und wie schaffe ich es, unsere Bedürfnisse zu „unden“?

8 Gründe, warum Kinder nicht in den Kindergarten wollen und mögliche Lösungsansätze:



1. Lautstärke

Ich bin Mutter von drei kleinen Kindern. Und ja, sie sind mitunter sehr laut. Haben wir dazu noch Besuch, geht die Post regelmäßig ab. Das ist manchmal sehr anstrengend.

Im Kindergarten kommen sehr viele Menschen zusammen, vor allem kleine Menschen. Je nach Ausrichtung des Kindergartens und der Beschaffenheit des Gebäudes ist es mitunter sehr laut. Dazu kommt, dass Kinder ihre Emotionen – insofern sie gelassen werden – ausleben.

Lautstärke ist zurecht ein häufig diskutiertes Thema, wenn es um die Bezahlung von ErzieherInnen geht. Viele Erwachsene schließen unter anderem deshalb den Beruf des Erziehers für sich aus. Das kann ich gut nachvollziehen. Aber auch für die Kinder ist es laut und für manche Kinder ist es schier unerträglich.

Zu laut, zu wild und einfach zu viel. Das ist purer Stress und will ernst genommen werden! Nur weil es andere nicht stresst, bedeutet es nicht, dass es für alle ok ist oder „man da halt durch muss“. Es bedeutet aber auch nicht, dass „die anderen“ Kinder eben leiser sein müssen, sondern dass sich die Lebensräume den individuellen Bedürfnissen anpassen bzw. passend sein sollten.

Entlastung kann innerhalb des Kindergartens geschaffen werden. Oft wird der Hinweis auf Lautstärke allerdings als Einladung für die Setzung von Regeln verstanden, gerade innerhalb von Einrichtungen für Kinder. Das meine ich damit nicht, auch wenn mit den Kindern gemeinsam getroffene Vereinbarungen einen Weg darstellen können.

Ich denke primär an eine vorbereitete Umgebung durch offene Konzepte, die es den Kindern ermöglichen, selbstbestimmt zu entscheiden, wo und mit wen sie sich aufhalten, mit entsprechenden Ruheräumen und kleineren interessenbezogenen Gruppen, die sich situativ zusammenfinden sowie begleitet durch zugewandte und achtsame Erwachsene. Manchmal ist dies allerdings gerade abends beim Abholen nicht mehr gewährleistet und für die Kinder dann nach einen langen Tag im Kindergarten besonders schwer zu ertragen.

Wenn sich der eigene Betreuungsbedarf zunächst nicht anpassen lässt und die Einrichtung selbst hier keine Lösungen anbieten kann oder will, so könnte auch ein Wechsel der Einrichtung oder aber alternative Betreuungsformen ein Gedanke wert sein.



2. "Ich langweile mich"

Manchmal denken wir, dass viel auch viel wert ist. Das Problem dabei aber ist, dass dieses „viel von irgendwas“ sich nicht unbedingt mit den eigenen aktuellen Interessen deckt. Dann ist „viel“ schnell zu viel, lästig oder schlicht auch langweilig.

Menschen sind intrinsisch motivierte Wesen. Sie wollen sich entwickeln und wissen eigentlich sehr genau, was sie zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigen, um weiterzukommen. Das gilt auch für Kinder und hat zunächst nichts mit erhöhtem Förderbedarf zu tun. Mehr dazu kannst du hier nachlesen: Warum Eltern an der Seite ihrer Kinder stehen müssen.

Eltern und Pädagogen kommen bei der Äußerung „ich langweile mich“ gerne zur Schlussfolgerung, das Kind sei nun reif für die Schule oder müsse gezielte Angebote erhalten, mehr machen. Schlimmer noch, Langeweile sei wichtig für die Kreativität. Das hat in meinen Augen seine Berechtigung, doch brauche ich dann ein Umfeld, welches meine individuelle Kreativität Gestalt annehmen lässt.

Ich sehe hier also durch ein „ich langweile mich“ viel mehr eine Einladung, genau hinzuschauen, was das Kind gerade braucht. So ist meine Tochter eine leidenschaftliche Bastlerin und war immer gerne im Kindergarten. Meine Söhne hingegen haben gänzlich andere Interessen. Während der eine sich gerne stark körperlich betätigt, kann sich der andere den ganzen Tag Wissen über seine Interessensgebiete aneignen. Er recherchiert in Büchern und am Computer, folgt spezifischen Serien, schaut sich Zeitschriften an und besucht Museen.

Für beide kam ein konventioneller Kindergarten zunehmend an seine Grenzen. Dann fördert Langweile auch keine Kreativität, sondern ist schlicht Folter!

Für ein körperlich aktives Kind kann ein Ausgleich am Nachmittag eine Lösung sein oder aber eine Einrichtung, die dem enormen Bewegungsdrang gerecht wird, zum Beispiel durch die Möglichkeit, jederzeit selbstbestimmt ein adäquates Außengelände aufzusuchen oder durch einen vielseitig gestalteten Toberaum, der immer zugänglich ist.

Im Falle meines anderen Sohnes war das Ganze ein wenig komplexer. Dazu später mehr…

So oder so, wenn Kinder von Langeweile sprechen, lohnt es sich, sich genauer damit auseinanderzusetzen und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Es ist eine Einladung in Beziehung zu gehen.



3. "Andere Kinder hauen mich"

Kinder kommunizieren oft körperlich. Das eine Kind mehr, das andere weniger. Kinder, die stark körperlich kommunizieren, werden nicht selten unhinterfragt verurteilt. Erwachsene reagieren darauf in der Regel mit (noch mehr) Erziehung und Grenzüberschreitung. Warum dieser Umgang schadet und kontraproduktiv ist und wie du damit umgehen kannst, findest du in meinem Beitrag 6 Gründe warum kleine Kinder hauen.

Kinder, die ihrerseits eher zurückhaltend sind und andere Strategien wählen, zum Beispiel indem sie sich Hilfe holen, erleben ähnliches. Sie werden zurückgeschickt und sollen sich der Situation stellen. Ja, manchmal raten Erwachsene sogar dazu, selbst Gewalt anzuwenden. Mehr hierzu kannst du in meinem Artikel „Wenn du gehauen wirst, dann hau zurück!“ nachlesen. Oder aber sie suchen nach Wegen, ihre Kinder selbstbewusster zu machen und sie zu stärken.

Wenn wir nun einmal beide Seiten betrachten – Kinder, die hauen und Kinder, die sich scheinbar nicht wehren -, dürfte auffallen, wie überfordert wir Erwachsene reagieren. In beiden Fällen verurteilen und korrigieren wir am Kind herum. Uns fällt es offenbar unglaublich schwer, unsere Kinder anzunehmen wie sie nun einmal sind und die Validität ihrer Strategien zu erkennen. Wer mir hier nicht folgen kann, liest sich bitte die beiden in diesem Abschnitt verlinkten Artikel durch.

Es sind zwei Seiten derselben Medaille und beide haben eine einzige Botschaft: ich brauche dich! Und wenn ein Kind bekundet, dass es nicht in den Kindergarten mag, weil es durch andere Kinder gehauen wird, so ist hier der Blick auf die Erwachsenen unumgänglich.

Die Schlüsselfragen lauten: wie werden Konflikte begleitet? Wie kann der Schutz meines Kindes gewährleistet werden, ohne, dass das Kind oder die anderen Kinder diskreditiert werden? Wie kann der Kindergarten ein Ort werden, an dem sich mein Kind geborgen fühlt?



4. "Ich habe keine Freunde"

Kinder schließen schnell neue Freundschaften. Davon wird gerne ausgegangen. Häufig ist es aber so, dass die ganz Kleinen eher alleine spielen oder mit einem Erwachsenen zusammen und ältere Kinder, ähnlich wie bei uns Erwachsenen, eben Sympathien und Antipathien entwickeln. Auch Kinder brauchen ihre Zeit um anzukommen, mit Veränderungen umzugehen und um Freundschaften zu schließen.

Wenn Kinder in die Schule gehen, achten viele Eltern und Pädagogen vollkommen selbstverständlich darauf, dass die Kinder gemeinsam mit ihren Freunden in eine Klasse kommen. Da scheinen sie zu spüren, dass Freundschaften etwas Besonderes sind und das Ankommen zumindest leichter machen.

Was aber ist, wenn das Kind in der ihm vorgesetzten Kindergartengruppe eben kein Anschluss findet und sich nicht wohl fühlt?

Mir hilft es immer, mich zu fragen, wie es mir in solch einer Situation ergehen und was ich mir von meinem Umfeld wünschen würde. Empathie ist hierbei ein wichtiger erster Ansatz!

Nach dem Kindergartenwechsel meiner Kinder aufgrund übergriffigen Verhaltens durch die damalige Betreuerin und eine untragbare pädagogische Haltung seitens der Einrichtungsleitung, hat gerade meine Tochter, die sehr gerne mit anderen Kindern zusammen ist, sehr gelitten. Sie vermisste ihre Freundinnen sehr und war noch nicht bereit, sich neuen Menschen zu öffnen. Wir machten eine Pause und gaben ihr die Zeit zu trauern und erneut anzukommen. Sehr schnell schloss sie dann neue Freundschaften. Daneben verabredeten wir uns, wann immer möglich, mit ihrer Freundin aus dem alten Kindergarten.



5. Respektlose, übergriffige und erzieherische Erwachsene

Ein wichtiges, sehr ernstes Thema und leider alles andere als eine Ausnahme. Viele Kinder werden ohne jeglichen Respekt behandelt und ihre Würde wird mit den Füßen getreten. Sie werden zum Mittagschlaf gezwungen, müssen aufessen, werden am Arm gezerrt, bestraft und angeschrien. Sie und ihre Gefühle werden oft in keiner Weise ernst genommen. Fremdbestimmung und Bewertung den lieben langen Tag. Was sie essen, was sie spielen, selbst wann und wie sie ihre Notdurft verrichten, alles wird reglementiert. Ja, sogar ihre Freundschaften.

Erziehung ist für die Mehrheit der Menschen um uns so selbstverständlich, wie die Luft zum Atmen. Ganz unhinterfragt werden Kinder genauso behandelt, wie man selbst einst behandelt wurde. Und darunter leiden letztlich alle.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Betreuungsqualität im Kindergarten mit den betreuenden Menschen steht und fällt. Fehlt dabei der Leitung der Einrichtung die Klarheit über die eigene Haltung, kann es mitunter sehr anstrengend werden und aussichtslos sein, Veränderungen von innen heraus anzustreben.

Seitdem meine Kinder in den Kindergarten gehen, war es mir ein wichtiges Anliegen, mitzugestalten und in enger Beziehung mit den Verantwortlichen zu sein. So engagiere ich mich als Elternsprecherin, bringe meine Sicht ein und mache unmittelbar auf Missstände aufmerksam. Nicht immer bin ich dabei auf offene Ohren gestoßen. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind je nach Einrichtungsform sehr begrenzt und es ist besonders unbefriedigend, wenn die pädagogische Ausrichtung jede erdenkliche Interpretation erlaubt.

Ich habe gegenüber Gewalt eine Null-Toleranz-Grenze und bin dabei immer sehr klar. Ich dulde übergriffiges Verhalten gegenüber meinen Kindern nicht und möchte euch einladen, ebenfalls den Mut aufzubringen und eure Verantwortung zu tragen, euch stets vor eure Kinder zu stellen.

In aller Deutlichkeit, ich habe großen Respekt vor dem Beruf der Erzieher. Ich finde die Umstände, unter denen gearbeitet wird, oft unwürdig, die Bezahlung ist mies und meine Empathie für die Menschen ist groß. Da ich selber dabei bin, eine Bildungs- und Tageseinrichtung zu gründen, kenne ich auch die Schwierigkeiten, mit denen sich die Träger herumschlagen. Es gibt außerdem tolle Kindergärten und wundervolle Menschen, die mit Kindern arbeiten, die auch mich immer wieder inspirieren. Auch ich bin nicht unfehlbar und handle falsch. All das macht es aber nicht weniger tragisch!

Übergriffiges Verhalten gegenüber Kindern muss offen benannt werden. Sind hier keine Einsicht und kein Wille zur Veränderung erkennbar, würde ich meine Kinder nicht weiter an solch einen Ort zur Betreuung geben und würde umgehend die nächste Instanz kontaktieren!



6. Fremdbestimmung

Das Thema wird gerne unterschätzt, wenn es um junge Menschen geht. Schließlich gehört es sich für viele so, dass Kinder eben das tun, was man ihnen sagt. Das Problem aber ist, dass Fremdbestimmung schadet, da es ein wichtiges Bedürfnis von Menschen konterkariert: das Bedürfnis nach Autonomie. Dem Thema habe ich bereits einen Artikel gewidmet: Warum es Vertrauen zerstört und Selbständigkeit verhindert.

Selbst wenn Gehorsam nicht mehr zum Ziel gehört, so bleibt Fremdbestimmung eine starke Komponente in der Begleitung von Kindern, insbesondere auch in Einrichtungen: die Gruppen sind oft fest, die Betreuer vorgegeben, die Aktivitäten geplant und zeitlich limitiert. Morgenkreis, Buch vorlesen, kurz an die frische Luft und nun ein wenig malen. Danach darf endlich freigespielt werden. Die Gummistiefel, die Mütze und die Regenhose sind Pflicht… Und wer kennt nicht die „tollen“ Ausmalbilder?

„Mama, ich will lieber bei dir sein!“

Als mein Sohn mir zum ersten Mal sagte, dass er nicht (mehr) in den Kindergarten möchte, ahnte ich nicht, welchen Weg wir letztlich in der Konsequenz einschlagen würden. Vorweg, es war ein langer Weg, bis wir akzeptieren konnten, dass es nichts Vorübergehendes ist. Anders als seine Geschwister wollte er tatsächlich überhaupt nicht in den Kindergarten. Und er hatte gute Gründe dafür…

Damals waren meine Zwillinge 2,5 Jahre alt, der kleine Bruder ein Jahr alt und wir Eltern Angestellte mit Vollzeitstellen. Mein Mann sogar mit Schichtdienst. Ohne Familie in der Nähe gab es für uns zunächst gefühlt keine Alternativen. Unser Kind machte uns aber zunehmend deutlich, dass er unter der Situation litt.

Meine Kinder gingen in den Kindergarten, weil ich es einst so entschieden hatte. Der Kindergarten war damals fester Bestandteil meiner Lebensplanung. Als sie jeweils ein Jahr alt wurden, ging ich zurück an meinen Arbeitsplatz. Wir hatten einen tollen Platz für unsere Kinder gefunden, waren mit den BetreuerInnen befreundet, die Eingewöhnung lief vollkommen entspannt und ohne Zwischenfälle ab, wir wurden entlastet und fühlten uns so als Eltern sehr wohl mit unserer Entscheidung. Wir waren damals allerdings auch noch sehr blind für viele Dinge.

Heute weiß ich, dass Kindergärten primär für uns Eltern sind und nicht für unsere Kinder. Mehr dazu findest du hier: Kindergärten: (k)ein Ort für Kinder!?

Als meine Zwillinge 2,5 Jahre alt wurden, gab es im Kindergarten einen Gruppenwechsel und seitdem begannen die Probleme und parallel dazu unser Erwachen als Eltern. Ein Jahr später nahm ich die Kinder aus der Einrichtung raus. Wie bereits oben erwähnt, machten wir Pause und starteten einen neuen Versuch in einem anderen Kindergarten.

Es war eine gute Entscheidung, aber auch hier war es alles andere als perfekt. Es dauerte nicht lange und mein Sohn sagte mir in aller Deutlichkeit, dass er nur mir zuliebe in den Kindergarten ging. Zu diesem Zeitpunkt machte ich bereits regelmäßig Home-Office, schöpfte meine Gleitzeit aus und turnierte mit meinen Mann im Rhythmus seiner Schichten, so dass wir ihn und gegebenenfalls auch seine Geschwister öfter mal Zuhause behalten konnten. Aber die Situation zerrte an unsere Nerven.

Dann kam der entscheidende Satz meines Sohnes: „Mama, auch du magst nicht mehr in deine Arbeit. Warum werde ich dann gezwungen irgendwohin zu gehen, wo ich nicht gerne hingehen möchte?“

Er fühlte sich fremdbestimmt und nicht gesehen!

Heute bin ich selbständig, arbeite von Zuhause aus und wir haben Unterstützung für die Betreuung der Kinder ins Haus geholt. Mein Kind geht nur noch in den Kindergarten, wenn es will, und das ist äußerst selten der Fall. Er geht in der Regel seinen Leidenschaften nach. Und nein, ich mache mir keine Sorgen bezüglich der Schule.



8. "Ich habe Bauchweh!"

Ein weiterer Grund, den ich nicht unerwähnt lassen möchte, sind stark traumatisierende Erfahrungen. Dazu kann unter anderem Essenszwang gehören, was – wie bereits erwähnt – oft verharmlost wird, sowie auch sexualisierte Gewalt. Wenn Kinder sich von jetzt auf gleich anders verhalten und sich plötzlich gegen den Besuch des Kindergartens wehren, sollten wir dringend zuhören, innehalten und keinen Druck aufbauen!

Zum Thema sexualisierte Gewalt kannst du dich zum Beispiel hier ausführlich informieren: Dornrose oder Zartbitter.

Wir müssen beginnen, unsere Kinder ernst zu nehmen, denn Fakt ist, dass ein Kind, welches äußert, nicht (mehr) in den Kindergarten zu wollen, einen Grund dafür hat. Manche sind mit ein wenig Achtsamkeit und gutem Willen schnell gelöst. Andere sind etwas komplexer und erfordern Kreativität und Flexibilität. Manchmal auch Mut und Rückgrat. Das Kind hat womöglich ein Problem und dieses will gelöst werden. Nicht das Kind ist das Problem, welches gelöst werden will!

Bei meinem Sohn war es nicht nur wichtig, dass er ganz selbstbestimmt seinen Themen nachgehen konnte, sondern er wollte schlicht in meiner Nähe sein und mehr Zeit mit mir verbringen. Ihm dauerte es häufig zu lange, bis ich wieder kam. Morgens war es ihm außerdem oft viel zu hektisch. Übergänge fallen ihm allgemein schwer. Daneben fühlte er sich immer wieder in seiner Integrität verletzt und in seiner Privatsphäre eingeschränkt. Ihm war es auch oft viel zu laut und zugleich sehr langweilig. Durch sein Naturell überkooperierte er häufig, wodurch der Kindergarten-Alltag für ihn besonders anstrengend wurde.

Für all diese Dinge ließen sich im Einzelnen individuelle und punktuelle Lösungen finden. So machte ich mit meinen Kindern immer wieder Pausen, wenn sie in anstrengenden Entwicklungsphasen steckten und Erholung brauchten. Ich bereitete lange den Tag am Vortag vor und ließ uns am Morgen besonders viel Zeit. Es waren unzählige Gespräche mit BetreuerInnen. Mal ging es um Grundsätze, mal um Ausnahmen oder Einzelregelungen. Doch in der Summe und vor allem mit der Klarheit meines Sohnes, sein Bedürfnis nach Autonomie massiv eingeschränkt zu empfinden, war für mich schnell klar, dass hier eine radikale Kursänderung gefragt war.

So begann meine Auseinandersetzung mit dem Thema Freilernen und der Möglichkeit zur individuellen Potentialentfaltung. Aber das wird ein anderer Artikel…

Saluditos & Axé

Eure

Aida

 

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Foto von ulkas, Fotolia.
About The Author

Aida S. de Rodriguez

Aida ist Mutter eines Zwillingspärchens und eines ein Jahr jüngeren Sohnes. Ihre Kinder wachsen interkulturell, mehrsprachig sowie bedürfnisorientiert auf. Als Coach, Beraterin und Trainerin begleitet sie Menschen rund um die Themen Unerzogen, Selbstwirksamkeit, Transformationsprozesse und Diversity. Ihre Vision ist ein gleichwürdiges Miteinander aller Menschen. Dafür setzt sie sich für die Rechte von Kindern auf gewaltfreien Umgang sowie auf ein selbstbestimmtes Leben und Lernen ein.

3 Comments

  • Anna

    Reply Reply 5. Februar 2017

    Guten Abend!
    Danke für deine Sichtweisen! Ich lese seit ca einem Monat in deinem Blog ein bisschen mit und habe dadurch wieder einen anderen Zugang zu meiner dreijährigen Tochter gefunden. Eigentlich wollte ich seit der Schwangerschaft recht unerzogen mit ihr leben, eben Beziehung statt Erziehung gestalten. Irgendwo am Weg wurde ich von den ganzen familiären und gesellschaftlichen Vorstellungen von meinem Weg abgedrängt. Aber es ist nie zu spät etwas zu ändern! 🙂
    Zu deinem Text habe ich aber Fragen:
    Meine Tochter sagt mir auch 1-2 Mal von 5 Mal pro Woche, dass sie nicht in die Krippe will. Wenn ich sie frage, was der Grund ist, sagt sie nichts oder „Ich will lieber bei der Mama bleiben“
    Wobei ich glaube, dass ich ihr das in den Mund gelegt habe, weil ich sie einmal explizit danach gefragt habe, ob sie lieber bei mir bleiben will. Sie ist zwar sprachlich sehr weit, aber sie ist unsicher und wiederholt lieber Sachen als etwas Neues auszuprobieren, das ist beim Tun und beim Sprechen zu erkennen.
    Ich gebe sie trotzdem ab. Sobald wir im Haus sind läuft sie freudig los, sie weint auch nicht wenn ich gehe und wenn ich sie früher abhole (was ich immer morgens mit ihr abspreche), muss sie immer erst noch fertig arbeiten.
    Ich habe ihre Krippenstunden inzwischen von 45h auf 25h reduziert, mehr schaffe ich aber nicht, Alternativen habe ich auch schon durchüberlegt, aber es kommt für mich im Moment keine in Frage.
    Die Betreuer sagen übrigens, dass sie es sich auch nicht erklären können. Sie haben inzwischen ein offenes Konzept mit der zweiten Gruppe, der Toberaum, der Indoorspielplatz und beide Krippengruppenräume sind offen und die Kinder dürfen sich frei bewegen, es sind ca 20 Kinder mit 6-8 Betreuerinnen. Meine Tochter spielt gerne mit den kindern und wenn es ihr zu wild wird geht sie in die Leseecke und liest den Stofftieren vor.
    Ich habe im Moment keine Ahnung wie ich herausfinden kann, was ihr fehlt. Ich habe das Gefühl, dass der Kindergarten nicht das Problem ist, ich weiß aber auch nicht was es sonst sein könnte.
    Hast du da vielleicht noch Überlegungen für mich?
    Vielen Dank!
    LG Anna aus der Steiermark

  • Alex

    Reply Reply 26. Februar 2017

    Ich möchte noch ergänzen, dass der Grund häufig gar nicht im Kindergarten zu finden ist, sondern zu Hause. Wenn z.B. ein Geschwisterkind zu Hause bei Mama bleiben darf und das Kind das auch möchte. Obwohl es sich im Kindergarten wohl fühlt.
    Oder wenn es Angst hat, zu Hause was zu verpassen, weil es z.B. keine Vorstellung davon hat, was zu Hause passiert, wenn es nicht da ist.

  • Susanne

    Reply Reply 23. März 2017

    Hallo!
    Lustig, habe vor ein paar Wochen einen Artikel mit dem selben Titel geschrieben… Ich glaube unsere Artikel könnten sich ganz gut ergänzen:-) Aber ich weiss natürlich nicht, ob ich das hier erwähnen darf.

    Ich finde es gut, das diese Themen immer mehr zur Sprache kommen. Habe selbst das Problem mit meinem großen Sohn gehabt. Wir hatten (mein Mann und ich) sofort das Gefühl, der Kindergarten ist merkwürdig, die Erzieherin über-griffig, auch mir gegenüber. Wir haben ihn sofort abgemeldet.
    Wir fanden dann einen Wald- und Wiesenkindergarten, der ihm sehr gut gefiel. Ich dachte, jedes Kind würde dorthin immer gerne gehen wollen. Bei meinem Großen war das auch richtig, aber mein zweiter Sohn war dann eine Weile lang gegen den Kindergarten.

    Ich habe mich lange gequält. Mein Sohn war dann auch öfters und länger krank. Ich sprach mit der Erzieherin, sie hat einen sehr guten Blick für die Kinder. Sie sagte, er ist dort fröhlich, er singt und hat Kontakte. Er wurde kräftiger und es stellte sich heraus, das er gerne dort ist, aber auch gerne zu Hause ist. Ich sagte mir: wir probieren es jetzt noch eine Woche.
    Und siehe da: er fand mit einem Mal Freunde und will jetzt wirklich in den Kindergarten gehen. Er war jetzt nochmal krank und freut sich jetzt schon, das er endlich wieder gehen darf.

    ich vermute, das ihm der Kindergarten zeitweise einfach zu anstrengend war. Viele Kinder und das viele Draußen kann schon sehr müde machen.

    Ich hoffe für alle auf eine gute Entscheidung, auf verständnisvolle Erzieherinnen!!

    liebe Grüße
    Susanne

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